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Wie startet man den Schiffsdiesel?
von Peter O. Walter







Warmlaufen lassen mit Standgas oder sofort los?


Wozu sollte man dem Warmlaufen eines Motors überhaupt Aufmerksamkeit schenken? Glaubt man dem Motorenentwickler von Mercedes-Benz, Dr. Leopold Mikulic, vertragen moderne Motoren vom Start weg Vollgas.


Wir raten dennoch zur Vorsicht: Die Maschine und ihre Innereien bestehen aus unterschiedlichen Materialien, die sich nach dem Anlassen unterschiedlich erwärmen und unterschiedlich ausdehnen. Dummerweise ist es jedoch so, dass der Kolben sich zuerst erwärmt. Umso schneller, je stärker aufs Gas getreten wird - und umso mehr dehnt er sich aus. Sein Zylinder jedoch, mit dem umgebenden Wassermantel, wird verhältnismäßig langsam warm. Das kann dazu führen, dass der Kolben nicht mehr in den Zylinder passt - er klemmt. Dabei entstehend Riefen in den Zylinderwänden, die sich oft schon bei neuen Motoren finden.



Eine weitere neuralgische Stelle ist die Zylinderkopfdichtung. Der Kopf ist meistens aus Aluminium, wird schneller warm als der Motorblock aus Gusseisen (bei Alublöcken ist es weniger dramatisch). Dazwischen liegt die Zylinderkopfdichtung, welche die Relativbewegung zwischen den beiden großen Bauteilen ausgleichen muss. Und das auch bei Verbrennungsdrücken, die bald die 200-Bar-Grenze erreichen.

Schon aus diesem Grund empfiehlt sich also etwas Zurückhaltung mit dem Gashebel. Dann wäre da noch die Sache mit der Schmierung: Kaltes Öl ist zähflüssig, lässt sich nur widerwillig zu den Schmierstellen pumpen. Bis der letzte Ventilstößel oben im Zylinderkopf versorgt wird, kann es zehn Sekunden dauern, in denen die Gleitflächen trocken laufen. Bei den dünnen 0-W-30- oder 0-W-40-Ölen ist die Situation etwas besser, doch dünn wie Wasser sind auch sie bei Minusgraden nicht. Hinzu kommt, dass Motoröl seine optimalen Schmiereigenschaften erst ab etwa 80 Grad entfaltet.

Doch wann die erreicht sind, darüber bleibt der Segler im Unklaren - wer hat schon ein Ölthermometer? Tragisch nur, dass die Öltemperatur der des Kühlwassers nachhinkt. Wenn das Wasserthermometer schon normale Werte anzeigt, kann das Öl noch kalt sein. Etwa 15 Minuten dauert es, bis auch das Schmiermittel seine Betriebstemperatur erreicht hat.

Wir empfehlen stattdessen: Motor starten, aber nicht aufheulen lassen; ein paar Sekunden Leerlauf, und dann ganz normal ablegen. Und vorläufig noch niedrige Drehzahlen.

Ein weiteres Problem ist das Laden der Batterien: Wenn die Maschine lange Zeit im Leerlauf läuft, verkokeln die Ventile!!



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Schlagwörter: Start Schiffsdiesel, Diesel, Dieselmotor, Start Dieselmotor, Antrieb Diesel, Warmlaufen,Zylinder, Wärmeausdehnung, Zylinderkopfdichtung, Öltemperatur, Motoröl, Schmiereigenschaften

Dieselmaschine auf Segelyacht   Großbild klick!

















Die Zylinderkopfdichtung (Bild: Collard)  Großbild klick!












Defekte Zylinderkopfdichtung   Großbild klick!











Verkokeltes Ventil   Großbild klick!
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