EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
Verseuchter Treibstoff:
Die Pest im Diesel, Teil 1





Was man über Mikroben im Treibstoff und deren meist unangenehme Folgen wissen sollte, verrät KARL SPINDLER
(mit freundlicher Genehmigung der Yachtrevue / Österreich)

Groß war das Staunen, als im Sommer 1984 an der französischen Mittelmeerküste innerhalb weniger Tage eine ganze Fischerflotte lahmgelegt wurde. Die Boote waren zu ihren täglichen Fangfahrten ausgelaufen und dann massenweise mit verstopften Dieselleitungen oder Filtern liegengeblieben. Die französische Regierung setzte eine Untersuchungs-Kommission ein, und diese stellte schließlich fest, daß eine Pilzart daran Schuld sein mußte. Kurz darauf sah sich auch die Marine eines westeuropäischen Staats mit einem ähnlichen Problem konfrontiert: Es traten technische Versager auf, weil die in großen Tanks gelagerten Kraftstoffvorräte von Keimen befallen waren.
1989 machte sich dieses Phänomen erneut in großem Umfang bemerkbar, als offensichtlich verunreinigter Diesel die Busse in einer europäischen Hauptstadt lahmlegte. Die Misere dauerte fünf Monate, ehe man dem „Täter“ endgültig auf die Spur kam und herausfand, daß eine mikrobakterielle Verunreinigung des zentralen Tanklagers Schuld an diesem Desaster hatte. Was bis dahin niemand glauben konnte, wurde nun bestätigt: In und vom Diesel können – winzig kleine – Organismen leben.
Die große Wirkung dieser kleinen „Tierchen“ bekamen schließlich auch die Sportbootfahrer zu spüren. Im vergangenen Jahr wechselte der Eigner der Kärntner Yacht Pontiki seinen Dieselfilter und zog daraus einen schleimigen Zopf. Ähnliches erlebten die Skipper der Hallberg Rassy 352 Melan und der Bayliner 33 Selecta. Alle drei Boote liegen übrigens in derselben Marina in Istrien. Das Problem ist im Yachtsport jedoch nicht neu; der Motor einer deutschen Hallberg Rassy 42 wurde innerhalb von drei Jahren gleich zweimal wegen verstopfter Leitungen stillgelegt.

Vom Diesel leben sie, im Wasser vermehren sie sich

Als sich die Wissenschaft näher mit den unerfreulichen Quälgeistern beschäftigte, wurde herausgefunden, daß das Wasser auch in dieser sonderbaren Spielart des Lebens eine übergeordnete Rolle spielt. Es steht mittlerweile fest, daß ein Mikroorganismen-Befall nur dann möglich ist, wenn sich Wasser in den Tanks befindet. Das Wasser, das auf unterschiedliche Art in den Treibstoffbehälter gelangen kann (z. B. als Kondenswasser durch tag- und nachtbedingte Temperaturunterschiede im Tank), lagert sich, da es schwerer als Diesel ist, größtenteils am Boden ab. Gelangen mit dem Treibstoff oder Wasser eingeschleppte Pilze oder Bakterien an die Grenzschicht zwischen Diesel und Wasser, finden sie ideale Lebensbedingungen vor. Zahlreiche Mikroorganismen leben sozusagen vom Treibstoff: Sie sind in der Lage, Mineralölprodukte biologisch zu oxydieren, brauchen jedoch das Wasser, da sie nur dort Keime bilden können. Wie in vielen Bereichen der Biologie spielt dabei die Temperatur eine wichtige Rolle: 30 bis 40 Grad sind für ein rasches Wachstum (= Vermehrung) ideal, und das ist auch einer der Gründe, warum verseuchter Diesel eher ein Problem des Mittelmeeres als eines der Ost- und Nordsee ist. Neben dem Verstopfungsproblem geht von den ungebetenen Gästen jedoch noch eine andere Gefahr aus, nämlich die „mikrobakterielle Korrosion“, die nicht durch die Bakterien selbst, sondern durch deren Stoffwechselprodukte erzeugt wird. Es handelt sich dabei um aggressiven Schwefelwasserstoff, der beispielsweise die Aluminiumkolben eines Schiffsdiesels angreift und à la longue zerstört.
Wer sich in den Motorenwerkstätten im Umkreis großer Marinas umsieht, wird solche Korrosionsbeispiele finden. Peppi, Inhaber einer Bootsmotoren-Werkstatt in Lignano, warnte schon vor Jahren seinen Kunden vor billigem Diesel, den er als „merda“ bezeichnete. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Diesel, der mit Wasser und Mikroben kontaminiert ist, wird trübe und entspricht nicht mehr den spezifischen Anforderungen. Im Laufe des Wachstums der Mikroorganismen bilden sich zähflüssige Produkte, die sich in Leitungen und Filtern festsetzen. In vielen Fällen werden auch die Tankwände von den Mikroben befallen. Dies wird meist übersehen, weshalb ein Leerfahren (oder Auspumpen) des Tanks nichts fruchtet. Wenn gegen diesen Keimbelag nichts unternommen wird, wird von dort immer wieder eine Verseuchung ausgehen. Nicht gewartete oder veraltete Lagersysteme und Tankstellen stellen immer ein großes Risiko dar. Der trübe, verseuchte Diesel wurde übrigens 1995 in der Adria getankt.

Kampf den Mikroben

Die Handbücher der Motorenhersteller raten zum Tanken von sauberem und wasserfreiem Treibstoff der Qualität soundso. Die Erfinder solch schlauer Tips sollte man kielholen, denn wer kann sich auf Törn schon die Tankstelle aussuchen oder gar in die Lagertanks sehen?
Zur Vorbeugung bieten sich drei Möglichkeiten an:
1. Die Montage eines wirkungsvollen Vorfilters mit Wasserabscheider in der Brennstoffleitung (womöglich mit Schauglas, um eventuelle Verunreinigungen gleich optisch wahrnehmen zu können).
2. Mindestens einmal im Jahr den Bodensumpf aus dem Tank abpumpen (was in der Praxis auf den meisten Yachten jedoch nicht leicht realisierbar ist). 3. Beim Tanken einen Zusatz von Bioziden, Bakteriziden oder Fungiziden beimischen.
Bei einem 150-Liter-Tank reicht besipielsweise bereits ein 1/8-Liter Additiv als Prophylaxe, bei manchen Produkten sogar noch weniger. Das Beimischen ist also keine Kostenfrage, weshalb es sich in Gegenden, wo „zweifelhafter Diesel“ befürchtet wird, auf jeden Fall lohnt.

Radikalkuren und Dieselzusätze

  • 24.03.2001: Das Mittel MAR 71 zur Vorbeugung und auch Vernichtung schlammbildender Mikroben gibt es nicht mehr unter dieser Bezeichnung und wird auch nicht mehr von Castrol vertrieben.
    Das Mittel kann unter der Bezeichnung Grota Mar 71 in Österreich von Grüner Chemie, Wien, Tel.: +43 676 5501479 bzw. in Deutschland von Mikrofiltertechnik Burmester KG, Geesthacht, Tel.: 04152-82280 bezogen werden. Das 0,5 l Gebinde (ausreichend für Schockbehandlung von 500 l Diesel, bzw. Konservierung von 2000 l Diesel) kostet DM 57,77 incl. MWSt.
  • Die Klagenfurter Firma Yachtservice Riedl füllt das Diesel-Additiv DK plus mit einer Antifouling-Komponente, die das Entstehen von Bakterien und Pilzen verhindert, in 1-Liter-Flaschen ab. 1 Liter reicht für 1.000 Liter Diesel.
  • Das in 0,5-Liter-Kunststofflaschen konfektionierte Diesel plus von Yachticon ist DK plus ähnlich. 0,5 l reichen für 500 Liter Diesel.
  • Aus Amerika kommt Bio Guard Fuel Microbiocide, das speziell für die Bekämpfung von Bakterien in Dieseltanks entwickelt worden ist, weiters gegen Schleim, Pilze und Korrosionsbildung wirken soll, und Diesel Guard Marine Diesel Additiv, ein gegen allgemeine Probleme von Dieselmotoren entwickelter Zusatz. Diesel Guard soll Schlammbildung und Filterverstopfung vorbeugen, Einspritzdüsen schmieren, Wasser binden und dadurch Korrosion verhindern. Das Microbiocide gibt es in einer 450-Gramm-Flasche für 1.800 bis 3.600 Liter Diesel, das Diesel Additiv in einer 900-Gramm-Flasche für 1.000 Liter. Beide Produkte sind auch gemeinsam im Set erhältlich.
  • Ebenfalls aus den USA, von der Firma Starbrite, kommt Diesel Fuel Water Absorber. Es handelt sich dabei um ein wasserabsorbierendes Mittel, das dem Wachstum von Mikroben und der Korrosion im Brennstoffsystem vorbeugt. 0,5 Liter reichen für 1.000 Liter Diesel.

    P. S.: Nur mit MAR 71 ist neben der vorbeugenden Wirkung auch ein sofortiges Killen der Mikroben in einem bereits verseuchtem Tank möglich. Alle anderen Produkte sind Diesel-Additive mit einem vorbeugenden Wirkstoff, der das Entstehen von Bakterien und Pilzen im Dieseltank verhindert.

Preise und Adressen

MAR 71 0,5 l öS 114,– 10,0 l öS 1.860,– Vertrieb: Castrol, 2351 Wr. Neudorf, Industriezentrum NÖ-Süd, Straße 6, Objekt 17, Tel.: 02236/695-2133 (Ing. Spatzierer)

DK plus 1,0 l öS 365,– Vertrieb: Yachtservice Riedl, 9073 Klagenfurt/Viktring, Adi-Dassler-Gasse 5, Tel.: 0463/28 10 56

Diesel plus 0,5 l öS 225,– Vertrieb: Marine Service, 1070 Wien, Kaiserstraße 17, Tel.: 01/523 37 35 und Yacht-Sport W. Strobl, 5020 Salzburg, Hellbrunner Straße 7 b, Tel. 0662/84 06 58

Bio Guard Fuel Microbiocide 0,5 l öS 298,– Guard Marine Diesel Additiv 1,0 l öS 249,– Beide Produkte im Set kosten öS 490,– Vertrieb: Yachtingcenter, 8112 Gratwein, Stallhofstraße 31, Tel.: 03124/515 01 und 0664/338 06 35

Diesel Fuel Water Absorber 0,5 l öS 195,–

Hartmann & Ascherl, 6971 Hard, Hafenstraße 5, Tel.: 05574/731 17

Firma Schülke & Mayr GmbH, Norderstedt
SCHÜLKE & MAYR GMBH
D-22840 Norderstedt
Tel.: +49 40 521 00 - 0
Fax: +49 40 521 00 - 244
Dieselpest Teil 2

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