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Diagnose und Sanierung von Osmose am GFK-Rumpf
von Peter O. Walter






Auch sehr gute Kunststoffbauer können kein Laminat erstellen, das völlig blasenfrei ist. Kleinere Blasen und Einschlüsse gibt es immer. Allegmei gilt deshalb: Die wasserdichteste Schicht am Rumpf muss das Gelcoat sein. Diese Schicht darf nie beschädigt werden und wird daher sorgfältig mit einem zweckentsprechendenen Primer abgedeckt, damit Wasser und Feuchtigkeit auf keinen Fall eindringen können.

Wenn aber doch Feuchtigkeit eindringt, wird sie die eingeschlossenen Hohlräume und Blasen erreichen. In diesen Blasen befinden sich aber die Überreste von nicht ausgehärtetem Harz, Härter und Binder aus Glasmatten. Die Wassermoleküle lösen diese Reste in den Blasen auf. Nun kommt es zur Osmose weil die Konzentration der Rückstände mit Wasser in der entstehenden Flüssigkeit höher als in der Feuchtigkeit, die das Laminat umgibt. Die Osmose beginnt ihr zestörerisches Werk im Laminat: die unterschiedlichen Konzentrationen versuchen sich auszugleichen.

Die Wassermoleküle sind wesentlich kleiner als die Moleküle der Restsubstanzen in den Blasen und können deshalb leichter und schneller durch das Laminat wandern. Die Hohlräume mit den gelösten Rückständen entziehen dem umgebenden Laminat weiter Feuchtigkeit und sammeln das Wasser in den Blasen an. Schließlich sind diese voll und üben Druck aus, der am leichtesten nach außen zum Gelcoat hin entweichen kann. So entsteht, was Segler umgangssprachlich Osmose nennen - und als typische Blasen am Unterwasserschiff kennen.

Aber nicht jede Blase am Unterwasserschiff bedeutet Osmose. Nicht selten treten Blasen beim Auftragen des Farbanstrichs auf, z.B. bei einem schlechten Auftrag, einer Wahl von ungünstigen Materialien oder durch falsche Temperaturen bei der Verarbeitung. Diese Farbblasen kann man gut von Osmoseblasen unterscheiden, weil sie in der Regel kleiner und kreisrund sind. Oft ähneln sie Stecknadelköpfen. Erst ein Schleiftest kann Klarheit bringen. Tritt aber eine Flüssigkeit aus, die nach Essig riecht, ist es sicher Osmose.



Bei einer Osmose-Sanierung wird das alte Gelcoat mitsamt aller aufgetragenen Farbschichten entfernt. Wenn die Osmose so schwer ist, dass das GFK nach dem Abtrag ziemlich geschwächt oder zu dünn geworden ist, muss mit zusätzlichen Laminatschichten die Wand des Rumpfes wieder neu aufgebaut werden. Vor dem Neuaufbau muss das offene Laminat sorgfältig mit heißem Wasser ausgewaschen werden, um Säurerückstände vollständig zu entfernen. Für den Neuaufbau muss das Laminat unbedingt total trocken sein. Das Boot muss dazu in einer beheizbaren Spezialkammer bei zwischen 25 und 40 Grad gelagert werden.

Nach dem Trocknungsprozess erfogt eine Kontrolle mit dem Feuchtigkeitsmesser. Unwichtig ist die Dauer des Trocknungsprozesses, es zählt nur, dass das Laminat absolut trocken ist. Ist das offene Laminat trocken, wird es sofort mit reinem Epoxy-Harz versiegelt. Im weiteren Verlauf wird der Rumpf mit sechs Schichten und mit einem Aluminium-Sperrschicht-Zusatz beschichtet. Der letzte Auftrag besteht nochmals aus Epoxy-Harz - jetzt aber mit einem Microlight-Filler, der als Kontrollschicht dient. Der letzte Arbeitsgang ist dann der Antifouling-Anstrich.



Osmoseblasen am Unterwasserschiff   Großbild klick!










Überprüfung auf Osmose (Bild: )   Großbild klick!























Abschleifen des Rumpfes mit Atemmaske   Großbild klick!
Weblinks:
Osmose in Wikipedia


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Schlagwörter: Osmose, GFK, Diagnose Osmose, Sanierung Osmose, Laminat, Blasen, Feuchtigkeit, trocknen, Neuaufbau

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