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Pleiten, Pech und Pannen - Segeltörn auf einem Seelenverkäufer

von Wolfgang Perkhammer


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Auf zu neuen Ufern sollte der Titel lauten, doch daraus wurde 1999:
Pleiten, Pech und Pannen - Segeltörn auf einem Seelenverkäufer

Kaum segeln wir 11 Jahre in der mittleren und südlichen Ägäis, schon entschließen wir uns, auf dem Törn 1999 nicht nur bekannte Gewässer zu durchfahren. Unser erstes Ziel ist die Insel Euböa.
Vom Hafen Karystos auf der Südwestseite soll die Route zur langgestreckten Ostseite in die Bucht Petries führen. Danach wollen wir über Skyros die nördlichen Sporaden ansteuern und schließlich über Lesbos - auch Lesvos genannt - und Chios wieder in unser bekanntes Hausrevier, die östlichen Sporaden fahren, mit unserem "Heimathafen" Pythagorio auf Samos.

Das Motto für 1999 lautet in der Planungsphase: auf zu neuen Ufern - wir sind gespannt.

Wir, das ist wieder die altbekannte Crew mit dem bewährten Skipper Otmar, dem Engineer und Koch Peter, den zum SubEngineer ernannten Hans, sowie Karl dem unersetzlichen Helfer für alle Arbeiten auf und unter Deck und dem Berichterstatter Wolfi.

Von der Größe her haben wir mit dem Schiff Glück (vermuten wir), denn die schon fest zugesagte Olympic Sea 42 war plötzlich nicht mehr verfügbar, so daß wir als Ersatz, zum gleichen Preis, eine Atlantic 44 erhalten, bei der, wie unsere Vercharterin Yota betont, als Luxus-Austattung auch ein Wetterfax enthalten ist.

Bisher hatten wir mit unserer kleinen griechischen Charterfirma Seaways Sailing immer Glück uns gute Boote erhalten. 1999 allerdings ließ man uns voll auflaufen mit diesem Seelenverkäufer.

Donnerstag, 6. Mai 1999
Aber es kommt ganz anders. Schon in München die erste Überraschung. 200 Leute sitzen im Flugzeug, die Türen sind geschlossen, jeder meint, jetzt geht es los - denkste. Da meldet sich der Pilot: Leider müssen wir, wegen Überfüllung des Luftraumes, nun 1 1/2 Stunden warten. Kriegsbedingt sind die normalen Routen zur Zeit gesperrt und auf den Ersatzstrecken drängelt sich der Luftverkehr.

In Athen warten wir dann weitere 20 Minuten auf unseren Bootseigner, der uns abholen und zum Hafen bringen soll. In sein Auto paßt allerdings nur Otmar, wir anderen folgen ihm mit einem Taxi. Damit wir restlichen vier in eines passen, warten wir bis ein neuer Mercedes kommt. Die hinter uns stehenden wundern sich, daß wir sie immer wieder vorlassen.

Als wir im Hafen Lavrion das Schiff sehen, fallen uns die Kinnladen herunter. Obwohl nur vier Jahre alt, sieht das Schiff aus, als hätte es bereits 15 bis 20 Jahre im harten Charterdienst auf dem Buckel.

Wir gehen an Bord und bald entsteht eine Mängelliste, die dann leider im Laufe des Törns immer länger wird. In den ersten zwei Tagen wird festgestellt:

  • Das Großsegel hat nur Bindereff, statt des vereinbarten Rollreffs.
  • Die Genua und die Windanzeige liegen noch im Salon.
  • Die Führung des Steckschottes am Heck ist auf der Backbordseite ausgebrochen, es wird am 8. 5. notdürftig in Stand gesetzt.
  • Eine Feststelleinrichtung für den Gasherd ist nicht mehr vorhanden, durch die Schwan kungen bei bewegter See besteht die Gefahr, daß der marode Gasschlauch bricht.
  • Reling und Fußreling sind an der Back- und Steuerbordseite an mehreren Stellen beschädigt oder eingedrückt.
  • Die Durchführung für die Heckleine an der Backbordseite ist ausgebrochen und fehlt.
  • Der Kühlschrankkompressor ist total korrodiert.
  • Die Deckfenster über der vorderen Backbordkoje und die Luken vom Salon sind undicht.
  • Bei schwerer See und bei Regen tröpfelt es auf die Koje von Karl, auf einen Teil der Polster und den Boden vom Salon.
  • Der Schäkel des Ankers paßt nicht zum Ankergeschirr, das bereits verbogen ist. Der Eigner versucht die verbogenen Teile mit einem Hämmerchen zu reparieren, aber bereits nach dem ersten Ankermanöver ist es genau so wie vorher.
  • Die zweite Rolle des Ankergeschirrs fehlt, d. h., einen zweiten Anker auszubringen ist nur bedingt möglich.
  • Das von Yota groß angekündigte Wetterfax ist natürlich nicht funktionsfähig.
  • Die Spinne zum Befestigen des niedergeholten Großsegels ist so ausgeleiert, daß sie nicht zu verwenden ist. Der Eigner, Herr Delikares, versucht dies mit Gummistropps zu beheben, aber auch diese sind nur teilweise zu verwenden; zum Glück haben wir immer eine Vielzahl von Bändseln dabei.
  • Die zweite Segellatte im Großsegel fehlt. Ich finde sie später unter den Polstern in meiner Koje. Die Lasche zum Feststellen dieser Latte ist ausgerissen, Peter macht sie mit ge schickter Nähkunst wieder funktionstüchtig.
  • Total verrostetes Werkzeug findet sich an allen möglichen Stellen und wird teilweise nach einer Ermahnung mißwillig durch den Eigner gegen neues ersetzt.
  • Das Reparaturset für das Schlauchboot fehlt und wird von ihm ebenfalls ersetzt.
  • Der Türbeschlag der achteren Backbordkoje ist herausgebrochen, die Tür geht schon bei leichtem Wellengang auf.
  • Die Halterung des Rettungsringes auf der Steuerbordseite fehlt teilweise, er wird mit einem Bändsel gesichert.
  • Die Schapp- und Schubladenbeschläge sind ausgeleiert, so daß später, bei stürmischer See öfters die einen aufgehen und die anderen herausrutschen.
  • Für die beiden Bugkojen (4 Plätze) gibt es als Stauraum nur einen kleinen Spind in der vorderen Naßzelle, d. h., Peter, Karl und Hans müssen größtenteils, immer wenn sie was brauchen, in ihren Taschen kramen. Hans kann seine Tasche wenigstens auf der oberen Liege verstauen, aber Hans und Karl?
  • Große Backskisten fehlen, nur 3 Fender können in kleinen am Heck verstaut werden. Einer liegt immer im vorderen Waschraum, zwei werden an der Fußreling festgebunden.
  • Am Heck sind zwei Backskisten für Leinen, jedoch ohne Wasserablauf, die Leinen liegen ständig im Salzwasser.
Die Einweisung des Eigners ist völlig unzureichend. Von sich aus sagt er nichts, man muß ihm buchstäblich alles aus der Nase ziehen. Eigentlich will er, daß die Einweisung jemand anders macht, aber als dieser (ein Herr Takis) einiges an Bord sieht, sagt er, das mache ich nicht. Ich bin von einer anderen Firma und so ein Boot übergebe ich nicht.

So wird Herr Delikares wieder per Handy angerufen und schon am späten Nachmittag des folgenden Tages kommt er. Zum Glück ist am 7. 5. so ein Starkwind, daß wir an diesem Tag nicht hätten auslaufen dürfen, die Hafenpolizei verweigert ab 6 Beaufort den Stempel auf dem Transitlog.

Im Laufe des Törns wird die Mängelliste dann noch um folgende Punkte erweitert:

  • Die Spannung der Batterie für den allgemeinen Bedarf läßt nach, dadurch laufen weder die Bilgepumpen, noch das Kühlaggregat, zusätzlich entfallen die Anzeigen der Logge, des Echolotes usw. Die Ankerwinsch bewegt sich nur noch ganz langsam. Zum Glück ist es nur ein Wackelkontakt, denn plötzlich geht es wieder. Wir müssen aber immer damit rechnen, daß dies immer wieder passieren kann. Ein seltsames Gefühl.
  • Die Relingstütze des Heckkorbes auf der Backbordseite ist ausgebrochen. Der ganze Korb ist von Anfang an so verbogen, daß nun alles 5 cm über dem Heck hängt.
  • Die Mastrutscher lassen sich zum Reffen nicht aus der Mastschiene ziehen, damit ent fällt das Einhängen der Reffösen in die Reffhaken. D. h. zum Reffen muß das Großsegel mit einem Bändsel durch die jeweilige Refföse an die Reffhaken gebunden werden. Bei Reff 2 und 3 ist das nur bedingt möglich, dementsprechend schlecht sind beim zwei- und dreifach gerefftem Groß auch die Segeleigenschaften.
  • Das Ankerlicht brennt nicht, die Ersatz-Petroleumlampe ist nicht funktionsfähig, auch Öl dafür fehlt.
  • Die Lampe am Rettungsring ist defekt.
  • Die Rettungsinsel ist notdürftig an Deck befestigt, zusätzlich ist darauf das Schlauchboot gebunden. Die zu kurze Leine zum Boot ist an der Rettungsinsel nur mit einem Klebe streifen befestigt.
  • Der Kompaß auf der Steuerbordseite hat eine Luftblase und ist dadurch sehr schlecht ablesbar, zudem differiert seine Anzeige zum Backbordkompass um 5 Grad.
  • Der Zähler für die Motorststunden ist defekt.
  • Der Einfüllstutzen für Diesel ist seitlich so angebracht, daß ein Tanken mit dem vorhan denen Trichter nicht möglich ist.
  • Der Filter im Trichter hat große Löcher - auch dieses Problem lösen wir. Ein ausran giertes Hemd vor mir erweist sich als idealer Ersatz.
  • In der Naßzelle auf der Steuerbordseite im Heck stinkt es gewaltig. Ein Problem, das sich auch durch mehrmalige Totalreinigung, Wechsel von Dichtungen und eines Flansches nicht lösen läßt.
  • Die Navigationsleuchten am Bug geben nach einigen Tag ihren Geist auf.
Während Peter diese vielen Mängel notiert, gibt es natürlich auch heftige Debatten zwischen dem Eigner, Otmar und Peter, sowie hitzige Telefonate mit Yota. So etwas haben wir noch nicht erlebt.
Man merkt immer wieder: Griechenland ist eben schon der halbe Orient.

Gegen 20 Uhr können wir endlich unsere Taschen auspacken, dabei hat Peter erneut eine unangenehme Überraschung: Der Deckel eines Marmeladeglases hat sich gelöst und der Inhalt klebt nun auf diversen Utensilien.

Spät kommen wir zum Essen. Zum Glück hat Hans eine urige Taverne gefunden, randvoll mit Griechen, wir waren die einzigen Fremden, werden aber gleich herzlich aufgenommen.

Nach dem Essen spielt Peter noch auf der Mundharmonika und erhält dafür vom Wirt prompt ein Glas Wein.

Trotz des Ärgers ist unsere gute Stimmung ungebrochen. Blödelnd und scherzend machen wir uns auf dem Heimweg zum Boot.

Freitag, 7. Mai 1999
Heute soll die Schiffsübergabe sein, jedoch statt um 9.00 Uhr erscheint unser "zuverlässiger" Eigner schon gegen 15.30 Uhr. Ein gutes Mittagessen verkürzt uns die lange Wartezeit. Dabei spendiert uns ein Grieche eine Portion Schnecken. Otmar und Hans opfern sich tapfer, auch Karl kann zwei dieser Viecherl verdrücken. Einen Trost haben wir: Da es den ganzen Tag mit 6 bis 8 Bft. bläst, hätten wir sowieso nicht auslaufen dürfen. Auch das Setzen der Genua war bei diesem starken Wind wieder nicht möglich.

Beim sogenannten Eincheck geht es wieder heftig her. Eine Beschwerde nach der anderen hagelt auf den Eigner ein. Als wir ihn endlich gehen ließen schlägt er heimlich drei Kreuze.

Samstag, 8. Mai 1999
Man glaubt es kaum, der Eigner kommt fast rechtzeitig, endlich können wir mit ihm im Hafenbecken die Genua in die Rollreffeinrichtung einziehen. Nun wollen wir sofort losdonnern. Aber gleich folgt die nächste Überraschung. Nach dem Verlassen des Hafens setzen wir die Genua und siehe, beim Dichtholen versagt die Steuerbord-Winsch ihren Dienst. Also wieder Handy heraus und den Eigner erneut in den Hafen holen. In der Winsch waren Unmengen von Sand, Salz und Abrieb, auch die Halterung der Winsch war locker. Die Instandsetzung zieht sich bis zum Abend hin.

Der zweite Tag ist verloren. Damit besteht keine Chance mehr unsere geplante Route zu segeln. Der Ausflug in die nördlichen Sporaden entfällt.

Sonntag, 9. Mai 1999
Wir unternehmen den zweiten Startversuch - es klappt. Nach einem schönen Segeltag erreichen wir auf Euböa den Hafen Karystos. Er ist voll mit Fischerbooten, aber ein freund licher Fischer zeigt uns ein Plätzchen, wo wir für eine Nacht liegen bleiben können.

Montag, 10. Mai 1999
Schon um 8.00 Uhr brechen wir auf, eine lange Tagesstrecke von ca. 60 sm liegt vor uns. Bereits im Hafenbecken gibt Otmar, in Anbetracht der vielen Meilen, volle Pulle, das Boot beschleunigt - und schon fliegt die Mannschaft nach vorne. Alle schauen Otmar fragend an! Rasch merken wir, er ist mit Volldampf in den Schlick gefahren. Wir kommen aber rasch und ohne Hilfe wieder frei.

Statt der angekündigten 5 Bft. wehen nur dürftige Lüfterl, so daß meist der Diesel seinen lauten Dienst verrichten muß. In der Bucht Petries gibt es zwar eine Mole, an der wir aber nur für einen Bade- und Einkaufsstopp kurz liegen dürfen. Nach zwei Stunden kommt der freundliche Hafenkommandant und bittet uns, doch in die Bucht zu wechseln, da morgen schon um 5.00 Uhr hier ein großer Fischmarkt stattfindet.

Unser Meisterkoch Peter erfreut uns mit Nudeln al dente und Pesto. Nachdem es allen gut schmeckt, hier sein Rezept:

Pesto (für 2 bis 3 Personen)

1 Bund Basilikum
7 Eßlöffel bestes Olivenöl
je 30 g Pinien- und Walnußkerne
je 30 g geriebener Pecorino- und Parmesankäse
etwas Zitronensaft,
eine Prise Zucker
Salz und Pfeffer nach Geschmack.

Basilikumblätter abzupfen, im Öl mir Rührstab zerkleinern, Nüsse dazugeben und wieder zerkleinern, die übrigen Zutaten dazugeben und verrühren. Das Ganze dann auf dem Teller mit den Nudeln mischen und die Käsemischung darüber streuen.

Dienstag, 11. Mai 1999
In den frühen Morgenstunden regnet es, prompt gibt es wieder eine Überraschung. In die Kabine von Peter und Karl und auch in den Salon tropft es. Die Matratze von Karl und seine Tasche sind naß und auch einer der Polster im Salon, sowie der Boden. Wir sind stinkesauer. Zum Glück entschädigt schöner Wind auf der Fahrt nach Skyros.

Beim Ankermanöver im Hafen Linaria/Skyros am späten Nachmittag kommt die in der Mängelliste schon erwähnte Pleite mit der Batterie, so daß die Ankerkette nur noch im Schneckentempo zu bewegen ist.
Bei 12 bis 14 m Tiefe in diesem Hafen mißglückt das römisch-katholische Anlegen. Nach einigen erfolglosen Versuchen machen wir einfach längsseits fest.

Vorbeugend der eindringenden Nässe entwickelt sich bei Peter und Karl täglich folgende Routine: Am Abend die Taschen auf die Bänke im Salon stellen sonst haben sie ja in ihrer "Kabine" überhaupt keinen Platz. Morgens die Taschen auf die Kojen legen, damit wir zum Frühstück sitzen können, danach wieder die Taschen auf Bänke im Salon deponieren, um sie vor Nässe bei evtl. hohem Seegang zu schützen. Seine Matratze bringt Karl vorsichtshalber tagsüber immer in meiner Kabine.

Mittwoch, 12. Mai 1999
Die Mängelliste wird immer länger und die nächste Überraschung folgt. Die angeblich vollen Wassertanks - 600 Liter Fassungsvermögen - sind leer. Es stellt sich heraus, daß von den drei Tanks einer leer und die beiden anderen nur teilweise gefüllt waren.

Auch seglerisch war auf dem langen Schlag nach Psara nichts los, wieder tuckert stundenlang der Diesel laut vor sich hin.

Donnerstag, 13. Mai 1999
Genauso langweilig wie am Vortag ging es weiter nach Chios in den wunderbaren Hafen Marmaro. Hier können wir wenigstens Wasser bunkern, endlich waren mal alle drei Tanks randvoll.

Wir bummeln durch den schönen Ort, lernen einen Kanadier kennen, der hier auf Chios seit Jahren immer den Sommer verbringt. Er hätte sich gerne noch lange mit uns unterhalten, aber seine Frau zog ihn mit Gewalt davon. Von ihm erhalten wir auch den Tip für die angeblich beste Taverne im Ort. Karl und ich bestellen Suvlaki und dann fallen uns die Augen heraus. Nicht wie üblich bekommen wir mehrere Spieße, sondern jeder nur ein einziges, winzig kleines Spießlein. Das war ein Witz.

Freitag, 14. Mai 1999
Wir wollen aus dem Reservekanister Diesel nachfüllen. Wieder eine Pleite, denn mit dem vorhandenen Trichter ist das nicht möglich. Peter bastelt eine hervorragende Lösung, indem er den Einfüll stutzen mit einem Stück Wasserschlauch und einigen zufällig vorhandenen Gardena-Stücken verlängert und die ganze Konstruktion mit Hansaplast abdichtet.
Tagsüber wieder Flaute, es wurde jedoch nicht langweilig. Peter bereitet uns am Mittag ein Supperl zu. Wir sitzen gemütlich im Salon, da hebt sich plötzlich wie von Geisterhand meine Sitzbank. Anscheinend hat der Tank darunter keinen Überlauf, das Wasser dehnte sich vermutlich durch Erwärmung aus, einzige mögliche Dehnrichtung war nach oben, also wurde der Deckel und damit auch ich angehoben. Als dann etwas Wasser verbraucht war, senkte sich auch wieder mein Sitz.

Am Abend ankern wir in der schönen Bucht Emporio, an der Südostseite von Chios. Prompt versagt natürlich auch das Ankerlicht seinen Dienst und die Petroleumlampe ist nicht funktionsfähig. Wie soll es auch auf diesem Schiff anders sein? Otmar bastelt eine Ersatzlösung, so daß wenigstens das Hecklicht leuchtet.

Samstag, 15. Mai 1999
Der Wetterbericht kündigt umlaufende Winde 2 bis 3 Bft. an. Anfangs sind sie umlaufend, wir versuchen immer wieder zu segeln, dann nimmt der Wind zu und dreht immer mehr auf Süd, also genau gegenan. Nach 5 Stunden, schon mit zwei Reffs im Großsegel, haben wir gerade mal 16 sm geschafft, 22 sm liegen noch vor uns, inzwischen pfeift es schon gewaltig.
Rasch werden ins Großsegel das dritte Reff eingebunden, um es als Stützsegel zu verwenden, die Genua eingerollt und der Diesel angeworfen. So kämpfen wir uns voran. Etwa 8 sm vor der Küste steigerte sich der Wind auf 8 Bft. Noch eine lange Zeit vergeht, bis wir gegen 21.00 Uhr endlich längsseits im Hafen Karlovasi/Samos liegen.
Sonntag, 16. Mai 1999
Nach der Pleite mit den Wassertanks trauen wir auch nicht der Aussage: der Dieseltank sei voll gewesen und faßt 280 Liter. Auf Klopfen klingt er sehr leer. Hans und Karl mieten ein Moped und pendeln mehrmals mit dem Reservekanister zwischen Tankstelle und Boot. Unserer Meinung nach passen in den Tank nur maximal 180 Liter.

Gegen Mittag legen wir ab. Es ist wie verhext, einen Tag bläst es stürmisch, am nächsten Tag ist wieder totale Flaute. Also erneut mit dem Diesel zur Insel Arki. Mehrere Versuche schwache Lüfterl zum Segeln zu benutzen, scheitern.

Montag, 17. Mai 1999
Erneut ein Flautentag. Auf dem Weg nach Lipso ankern wir, für ausgiebigen Badestop, in einer schönen Bucht.

Schon während des Abendessens nimmt der Wind kräftig zu. Gegen Mitternacht, wir haben uns gerade in die Kojen verholt, merken wir, daß bei uns und auf dem Nachbarschiff die Anker nicht halten. Also raus aus den Kojen, hinein ins Ölzeug und neu verholen. Beide Boote können an der Anlegestelle für Fähren längsseits festgemacht werden.

Inzwischen haben wir den 18. 5. und feiern so gleich noch kurz Peters Geburtstag.

Dienstag, 18. Mai 1999
Auf der Ostseite von Arki entlang zu unserer letzten Station, der Insel Agathonisi, können wir endlich mal wieder mal die Segel setzen. Auf Agathonisi werden wir, wie schon im Vorjahr, vom Wirt der Taverne Seagull verwöhnt. Unsere Gourmets genießen den Zickleinbraten und zum Abschluß den vom Schwiegervater selbst zubereiteten Ziegenkäse. Man mag's kaum glauben, manch einer aus unserer Crew schwärmt auch davon.

Mittwoch, 19. Mai 1999
Schon wieder ist der letzte Tag eines Segeltörns gekommen, zum Abschied weht es nochmals kräftig. Der Wind steigert sich auf 7 Bft. Wir segeln nach Samos, ankern erst mal im Vorhafen und genießen den Rest vom Guglhupf, den Hans mitgebracht hat. Eine kleine Windpause nutzen wir dann, um end gültig an der Mole fest zu machen. Gerade rechtzeitig, denn kurz darauf kommt eine große Fähre und wendet genau dort, wo wir vorher lagen.

Otmar und Peter nehmen unsere Vercharterin Yota hart ins Gebet und handeln einen finanziellen Ersatz für diesen Pleiten-, Pech- und Pannentörn heraus. Wie versteinert und den Tränen nahe verläßt sie danach unser Schiff.

Wie immer beschließt ein Besuch der Taverne Esperides, auf Peters Kosten, unseren Ausflug nach Griechenland. Wir sind froh die Tage auf dem Seelenverkäufer gut überstanden zu haben.

Danach bummeln wir noch ein wenig die Hafen-Promenade entlang, gönnen uns einen guten Schluck, und lernen zwei charmante Holländerinnen kennen, die sogar für einen letzten Umtrunk mit zu uns an Bord kommen. Ich verrate hier nicht, wer sich da zu was hinreißen lassen wollte.

Der Törnverlauf im Detail:

06. 05. 99 München nach Athen, dann Hafen Lavrion
07. 05. 99 Hafen Lavrion
08. 05. 99 Hafen Lavrion
09. 05. 99 von Hafen Lavrion nach Euböa, Hafen Karystos
10. 05 .99 von Euböa, Hafen Karystos nach Euböa, Hafen Petries
11. 05. 99 von Euböa, Hafen Petries nach Skyros, Hafen Linari
12. 05. 99 von Skyros, Hafen Linari nach Psara, Hafen Psara
13. 05. 99 von Psara, Hafen Psara nach Chios, Hafen Marmaro
14. 05. 99 von Chios, Hafen Marmaro nach Chios, Bucht Emporio
15. 05. 99 von Chios, Bucht Emporio nach Samos, Hafen Karlovasi
16. 05. 99 von Samos, Hafen Karlovasi nach Arki, Porto Augusta
17. 05. 98 von Arki, Porto Augusta nach Lipso, Hafen Lipso
19. 05. 99 von Lipso, Hafen Lipso nach Agathonisi, Hafen Georghiou
20. 05. 99 von Agathonisi, Hafen Georghiou nach Samos, Hafen Pythagorio

Wolfi Perkhammer

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