EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
Karibik - `98 mit SY SAPOTILLE

(Reisebericht von B.Kummer)




Im Frühjahr diesen Jahres haben wir einen lang gehegten Traum realisiert, den wohl jeder Segler hat: Einmal durch die Karibik zu segeln.

Die Idee dazu wurde vor zwei Jahren geboren, die Reisevorbereitungen dauerten schließlich ein ganzes Jahr, denn so manches galt es zu bedenken. Nach ausgiebigen Studium und Preisvergleichen hatten wir uns für den Münchner Yachtcharterer COSMOS entschieden. Der Charterpreis für eine Gib Sea 114 war sehr günstig, die vorgegebenen Auflagen gering.

Andere Charterer machten Einschänkungen wie: Nachtfahrverbot oder Anlaufen der Ankerplätze bis 16.00 Uhr zur Auflage, was uns nicht so behagte und was man auch nicht akzeptieren sollte. Diese Vorgaben sind nach unseren heutigen Erfahrungen und in den meisten von uns befahrenen Gebieten völlig unsinnig.

Ausgangspunkt unserer Reise sollte Martinique sein, eine der Windward Islands. Bald waren die Reisevorbereitungen abgeschlossen. Sowohl Flug als auch Schiff waren gebucht und bestätigt, die notwendigen Versicherungen abgeschlossen und die nötigen ärztlichen Informationen eingeholt. Mit Videos, ausreichender Literatur und den entsprechenden Seekarten wurde nun die Feinarbeit für den Törn geleistet.

Rasch verging die Zeit und unser Reisetermin rückte sichtbar näher. Um so größer war der Schock, als wir wenige Monate vor unserer Abreise aus der Seglerzeitung erfuhren, daß unser Vercharterer vor Ort ( Loch 2000 ) pleite war.

Sowohl Geld als auch Reise schienen zunächst verloren ( allerdings hatten wir einen Sicherungsschein). Nun kam uns der Umstand zu Gute, daß wir einen Rechtsanwalt in unserer Crew hatten, der die Angelegenheit in die Hand nahm. Innerhalb kurzer Zeit war alles zu unserer Zufriedenheit geregelt. Es fand sich ein neuer Vercharterer vor Ort und ein neues Schiff, nun eine Dufor 39. Etwas Sorge bereitete lediglich der Umstand, daß wir von diesem Unternehmen Cap Sud Yachtcharter noch nichts gehört hatten. Nach längeren Recherchen fanden wir schließlich heraus, daß es sich hier um einen kleinen aber feinen Vercharterer handeln sollte. Eine Einschätzung, die sich auch vor Ort bestätigen sollte.

Die Anreise war problemlos. Via Paris erreichten wir nach 9 Std. Flug unser Ziel, Fort de Franc, die Hauptstadt von Martinique. Die Einreiseformalitäten waren moderat und beschänkten sich lediglich auf die Paßkontrolle. Hier kam uns der Umstand zu Gute, daß die Insel französisches Gebiet ist und wir trotz 8000 km Entfernung letztlich einen Inlandsflug gemacht hatten.

Die Marina , Le Marin in der Cul de Sac gelegen, ist 42 km vom Flughafen entfernt und war nach 30 Minuten Fahrt erreicht. Hier war alles für uns vorbereitet, so daß wir das Schiff sofort in Beschlag nehmen konnten.

Sowohl Schiff als auch Service vor Ort waren nicht zu beanstanden. Die Zeitumstellung kam uns hier sehr entgegen. In der Regel waren wir bereits bei Sonnenaufgang, um 06.00 Uhr am Morgen, an Deck (entspr. 11.00 Uhr in Deutschland ). Zu dieser Zeit sind die Temperaturen noch angenehm. So konnten wir auch den Tag voll nutzen, denn nach 18.00 Uhr wurde es bereits dunkel. Die Schiffsübernahme am folgenden Tag ging zügig von statten. Unterdessen war auch der Proviant eingekauft.

Die Fahrt zum Supermarkt war ein kostenloser Sevice des Vercharterers. Die Versorgungsmöglichkeiten am Ort entsprechen zwar nicht ganz unseren Ansprüchen, sind aber ausreichend. Bereits am Mittag waren wir klar zum Auslaufen.

Bei einem ersten Probeschlag wollten wir zunächst Schiff und Ausrüstung testen. Die Ausfahrt aus der Marina ist, nach karibischen Verhdltnissen, gut betonnt und entspricht in etwa dem was man an der Ostsee vorfindet. Der Unterschied besteht lediglich darin, daß man bei einem Navigationsfehler nicht auf Schiet sondern auf einem Riff sitzt. Schwierigkeiten machte uns anfangs lediglich die Tiefe im klaren Wasser richtige einzuschätzen.

Von Martinique ausgehend führte unsere Reiseroute zunächst nach Süden. Bei konstanten östlichen Wind, zwischen 4 und 6 Bft., waren die Segelbedingungen fast traumhaft. Unter diesen Verhältnissen wurden die tropischen Temperaturen nun erst ertäglich. Mit Zwischenstation auf St. Lucia, St.Vincent und Bequia erreichten wir nach wenigen Tagen die Inselwelt der Grenadinen. Dieses Seegebiet, zwischen Grenada und St.Vincent gelegen, umfaßt hunderte kleiner Inseln. Letztlich war es das, was wir uns unter Karibik vorgestellt hatten.

Traumhafte Ankerbuchten mit weißen, palmenbewachsenen Sandständen sahen aus wie auf den Postkarten. Im glasklaren Wasser war eine faszinierende Unterwasserwelt anzutreffen. Da weite Bereiche unter Naturschutz stehen, wo jeder Fischfang verboten ist, war eine Vielzahl an Fischen zu beobachten. Höhepunkt unser Reise waren schließlich die Tobago Cays. Dieses Gebiet, das aus zahllosen kleinen Inseln und ausgedehnten Riffgebieten besteht ist ein wahres Eldorado für Taucher und Schnorchler. Bei zahlreichen Ausflügen konnten wir Eindrücke von Land und Leuten gewinnen. Dabei hatten wir festgestellt, daß es doch ein erhebliches Wirtschaftsgefälle zwischen Nord und Süd gibt. Während Martinique einen relativ hohen Lebensstandard hat, bilden St. Vincent und die anschließenden Grenadinen dagegen das karibische Armenhaus.

Entsprechend geschäftstüchtig sind auch die Menschen, die versuchen mit dem Tourismus wenigstens ein Paar Dollars zu verdienen. Oft wurden wir schon weit vor unser Ankerbucht in Empfang genommen. Kaum in die Bucht eingelaufen, hingen dann 4 oder 5 Boote an unserer Bordwand. Jeder wollte nur ein kleines Geschäft machen, das sich jeweils in der Größenordnung von 10 EC (East Caribbian Dollar = 7,- DM) bewegte.

Von Bananen über Orangen, Mangos, Schmuck und frisches Brot für den nächsten Morgen, wurde dabei alles angeboten. Welche Menge man letztlich für sein Geld bekam war dann Verhandlungssache.
Marinas oder Yachhäfen sind in diesem Gebiet weitgehend unbekannt. Geankert wurde jeweils in einer der zahllosen Buchten, wo je nach Gegebenheit ein kleines Lokal oder ein paar Hütten der Einheimischen anzutreffen waren. Entsprechend schwierig war die Versorgung mit Wasser oder Lebensmitteln.
Letztlich mußte man mit dem auskommen, was an Bord vorhanden war oder was die Einheimischen anboten. Lästig war das ständige Ein-und Ausklarieren, da jede der großen Inseln unter anderem Hoheitsrecht steht. Das kostete Zeit (natürlich auch Geld) und hat auch unsere Reiseroute weitgehend bestimmt. Schließlich mußte man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein. Oft waren die Zollbüros nur für wenige Stunden geöffnet. Rodney Bay, Admiralty Bay, Wallilabou- oder Salt Whistle Bay waren dabei einige Stationen. Während unserer 2-wöchigen Reise konnten wir viele neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Dazu kann man auch unsere Nachtfahrten zdhlen, die unter tropischem Himmel wohl jedem unvergessen bleiben werden. Neben dem einmaligen Erlebnis gewannen wir letztlich auch jeweils einen Urlaubstag dazu.

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