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GRIECHENLAND

ein Mythos (nach dem anderen)





1.000 Meilen gegen den Wind von Manfred Kuttner
Erinnerungen an den Segeltörn Rhodos - Split
Reisezeit: 09.09.2006 - 23.09.2006

Es begann vor fast zwei Jahren (Ende 2004) mit einer Idee von Wolfgang Meissner, irgendwann am Ecker-Cup (Tausendmeilenrace) mitzumachen. Da ich - Captain OUZO, wie man mich mittlerweile aus unerklärlichen Gründen nennt - auf solchen Stress keinen Bock hatte - Racing hat ja immer was mit schneller Vorbeifahrt an guten Wirtshäusern zu tun -, haben wir uns kurzerhand entschieden, die tausend Meilen alleine ohne Racing, also nicht von Bahnmarke zu Bahnmarke, sondern eher von Taverne zu Taverne zu fahren.
Der Plan wurde auch rasch in die Tat umgesetzt und da wir in Rhodos ein Schiff brauchten, wurde kurzerhand Hannes PIERINGER engagiert, der eine Bavaria 49 der Fa. Bavadria für uns von Split nach Rhodos skipperte. Wie bekannt wurde, hatte Hannes mit seiner Mannschaft dabei auch großen Spaß und fuhr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 8kn großteils auf einem Vorwindkurs von Split nach Rhodos. Ohne seinen genauen Kurs zu kennen wage ich zu behaupten, dass auch er als Bahnmarken ausschließlich Tavernen verwendete.

Freitag:
Wir - " Manfred KUTTNER (Captain OUZO),
" Wolfgang MEISSNER (Captain BLAUBÄR - weshalb im Wort neben Bär auch Blau vorkommt ist unwesentlich),
" Wolfgang HOHM (Kassier - für alles zu haben aber für nix zu brauchen), Leo FORJANIC (Barde),
" Günther KUMPITSCH (ebenfalls Barde),
" Stefan POSCH (der Schrecken aller Skipper),
" Johann TROPPER (falls wir nach einem evtl. Schiffsverlust mit einem Bus weiterfahren hätten müssen),
" Erich FRIEDRICH (Allroundmechaniker und Segelflicker)
" Manfred ENZI (Azubi - B-Scheinanwärter)
" und Neuling und Landratte Gerhard KÖGLER (Smutje) -
begannen unseren Törn am 08.09.2006 gegen 06.00 Uhr am Hauptbahnhof in Graz (mit Ausnahme von Leo), von wo wir mit dem Zug nach Wien-Schwechat fuhren.

Dabei trat auch gleich das erste ernste Problem auf, in Graz hatte der Supermarkt am Bahnhof noch geschlossen, weshalb kaltes Bier Mangelware war. Dieses Problem wurde aber von unserem Barden Leo behoben, der erst in Bruck zustieg und der in seinem Seesack nicht nur Unterhosen und Notenhefte beförderte, sondern auch eine Lage kaltes Bier. Der Rest des Tages verging wie im Flug, wir flogen von Wien nach Athen und von dort weiter nach Rhodos wo wir gegen 20.00 Uhr ankamen. In Athen bekamen wir´s erstmals mit dem Mythos von Griechenland zu tun.

Vom Flughafen in Rhodos aus konnten wir endlich Hannes Pieringer erreichen, der uns umfassend und ausführlich beschrieb, dass er unser Schiff im Hafen Mandraki vor dem neuen Markt auf der anderen Straßenseite gegenüber von einem Restaurant angebändselt hat, wo er sich mit seiner Crew gerade stärkt. Wir nahmen also drei Taxis und fuhren die 18 Kilometer zum Hafen Mandraki, wo wir aufgrund der guten Beschreibung und nach weitern vier Telefonanrufen, sowie nach einer halben Stunde Suche, endlich Hannes und unser Schiff fanden.

Wir brachten unser Gepäck aufs Schiff und kurz darauf meldete sich auch schon ein freundlicher Grieche mit der Frage, ob wir vielleicht einkaufen möchten. Noch etwas skeptisch fragten wir, ob das am Samstagvormittag möglich sei, der Händler schnappte sich aber gleich einige Leute von uns, schleppte sie in sein Geschäft, nahm die Bestellungen entgegen und lieferte am Samstagmorgen alle bestellten Waren direkt zum Schiff, ohne dafür auch nur einen Cent extra zu nehmen. Der erste unglaublich positive Eindruck von Griechenland.

Nun stellte sich aber noch am Freitagabend das nächste Problem. Hannes und seine Crew verließen das Schiff ja erst am Samstagmorgen, wir waren aber schon am Freitagabend da. Was machen nun Seefahrer heimatlos in einem fremden Hafen ohne Bett??? Na jedenfalls ließ der Wirt die Kneipe für uns bis 04.00 Uhr auf, die restlichen paar Stunden verbrachten wir "irgendwo" im Tiefschlaf. Die Frau des Wirtes war schon gegen 02.00 Uhr frustriert und ohne Wirt von dannen gezogen.

Samstag:
Nach einem kurzen aber dafür nicht erholsamen Schlaf und nachdem Hannes und seine Crew das Schiff verlassen hatten, suchten und fanden wir Mr. Pavlos, einen Bekannten von Hannes, der versprochen hatte, alle notwendigen Amtswege für uns zu erledigen. Gegen 09.00 Uhr kam der bestellte Diesel (es gibt keine Tankstelle im Hafen). Wir trauten unseren Augen nicht, als ein riesiger Tanklastwagen vor unserem Schiff hielt, wobei er die Hafenstraße zur Hälfte blockierte. Der Fahrer drückte mir einen Schlauch in die Hand, wie ihn jeder kennt, der zu Hause seine Ölheizung füllt. An einem Ende des Schlauches befand sich der Tankwagen (eigentlich logisch), am anderen aber nicht etwa eine Zapfpistole, sondern ein kleines Eisenrohr mit einem handelsüblichen Kugelventil für Wasserleitungen. Trotz dieser auf mich eher unüblich wirkenden Zapfanlage war der Tank aber bald ohne Probleme gefüllt. Es folgte eine Stadtbesichtigung von Rhodos, die sich wegen der Hitze und des damit verbundenen Flüssigkeitsverlustes eher in Grenzen hielt. Bereits zu Mittag brachte uns Mr. Pavlos auch die fertigen Schiffspapiere. Für seine Dienste nahm er übrigens lediglich einen Kaffee. Der nächste überaus positive Eindruck von Griechenland.

Bei wenig Wind fuhren wir noch am Samstag und teils noch unter Maschine nach Symi, wo wir in der Bucht von Panoumittis übernachteten. Ein herrlicher Sonnenuntergang und ein (oder zwei….) Mythos ließen den Tag würdig ausklingen.

Sonntag:
Ablegen bereits um 01.00 Uhr, Kurs auf Astypaläia. Der Meltemi frischte zusehends auf und bereits am Vormittag hämmerte der Wind mit konstanten 6-7 bf aus Nordwest auf unseren Bug ein, der Seegang erreichte Stärke 3. Wir erreichten Astypaläia, eine kleine Ortschaft auf der gleichnamigen Insel, gegen Mittag. Nachdem wir am Fährmolo längsseits gegangen waren, führte der erste Weg in die einzige Strandtaverne, wo wir bei einem hervorragenden und billigen Essen dem griechischen Mythos verfielen. Wir wären übrigens auch der reizenden Kellnerin verfallen, wenn wir nicht alle in festen Händen und sittlich und moralisch derart gefestigt wären. Bemerkenswert ist, dass in dieser Taverne die Tische mit Seekarten gedeckt werden. Jedenfalls handelt es sich um Papiertischtücher, auf denen die ganze Insel mit allen Buchten und Tavernen abgedruckt ist. Da wir keine Detailkarte von Astypaläia hatten, verwendeten wir tatsächlich so ein Tischtuch für die Ansteuerung der nächsten Bucht im Westen der Insel. Endlich konnten wir die bekannte Bäckernavigation (oder in diesem Fall Tavernennavigation) in der Praxis erproben. - Es funktioniert tatsächlich. - In dieser Bucht verbrachten wir den Abend und gaben uns dem Mythos von Griechenland hin.

Montag:
Gegen 01.30 Uhr Ablegen in der Westbucht von Astypaläia - Kurs auf Santorin. Der Meltemi hämmerte ab nun mit 7-8 bf auf die Stoncica ein, die Wellenhöhe lag im Schnitt bei 3m, es kamen aber auch einige höhere "Männchen" dazwischen, die keinen Umweg ums Schiff machten, sondern geradewegs darüber hinwegrollten. Die 49er lief aber dennoch völlig sicher auf Kurs, das Reffen ist bei der 49er allerdings eine Wissenschaft, bei der es um Zentimeter geht: Ein paar Zentimeter zu wenig und die Fahrt ist raus, ein paar zu viel und die Kiste krängt wie Captain OUZO und Captain BLAUBÄR zusammen. Auch bei diesem Seegang blieb es nicht erspart, hin und wieder zum Mastfuß zu turnen, um die Reffwinsch zu bedienen. Gut war dabei nur, dass das Wasser 28 Grad Celsius hat, die überkommenden Seen fühlten sich an, wie eine warme Dusche.
Captain OUZO war wie immer auch bei schwerem Sturm nur mit leichtem Zeug bekleidet (Regenjacke, Badehose und ohne Schuhzeug - barfuss). Der an sich mangelnde Barfussgrip wird bei Captain OUZO leicht durch erhöhten Anpressdruck wettgemacht. Die Wachen wechselten übrigens in Dreierteams in der Nacht alle drei und am Tag alle zwei Stunden, was sich auf Langstrecken hervorragend bewährt.

Santorin wurde am frühen Vormittag erreicht, die Fahrt durch die Chaldära ist ein unvergessliches Erlebnis. Leider wütete der Meltemi auch in der Chaldära so heftig, dass ein Anlegen nicht möglich war und Ankergrund ist dort nicht vorhanden. Zum Zurückfahren zur Marina im Süden der Insel waren wir dann zu faul, also sahen wir Santorin nur aus der Ferne und von unten.

Gegen Abend erreichten wir die Ortschaft Ios auf der gleichnamigen Insel. Wieder das gleiche freundliche und für die Kykladen typische Bild: Niemand fragt im Hafen nach Schiffspapieren oder Geld. Die Frau am Zigarettenkiosk ruft hilfsbereit jemanden an, der einen Schlüssel für den Wasseranschluss im Hafen besitzt und nach wenigen Minuten ist der Wassertank für fünf Euro gefüllt. Die Wasserqualität in Ios ist allerdings schlecht, das Wasser ist braun und lehmig.
Dafür war die Taverne gleich hinter dem Schiff qualitativ hervorragend und billig, für ein 0,5l Mythos vom Fass löhnt man gerade € 1,50.-, das üppige Essen inklusive Vorspeise schlägt auch mit nur ca. € 10.- pro Person zu Buche. Dass unser Kassier trotzdem bei jedem Griff in die Bordkasse murrte und brummte lag wohl an den vielen griechischen Mythen, für die er aufzukommen hatte.

Dienstag:
Um 04.00 Uhr verließen wir Ios und nahmen Kurs auf die Insel Serifos. Bei guten 8-9 bf aus Nord und einer 4er See ritten wir nach Nordwest und erreichten gegen 09.00 Uhr die Insel Sifnos, wo wir in einer der südwestlichen Buchten vor Anker gingen um kurz im herrlich warmen Wasser der Ägäis zu schwimmen, aber auch um in Ruhe dem griechischen Mythos zu frönen. Um 11.00 Uhr wurde der Anker gelichtet und es ging weiter zur Insel Serifos. Der Meltemi hatte mittlerweile Sturmstärke erreicht, es pfiff mit konstanten 9 bf, die Windspitzen erreichten 10-11 bf. Die 49er nahm aber auch diese Windstärke ohne Probleme hin und schoss von Wellenkamm zu Wellenkamm (manchmal auch etwas unterhalb des Wellenkamms).

Es war ein echtes Vergnügen im Niedergang stehend und so einigermaßen von den überkommenden Seen geschützt Stefan POSCH und Captain BLAUBÄR zu beobachten, die immer wieder eine Ladung Wasser am Steuerrad abbekamen. Aber wie es halt manchmal so geht - es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass unser Stefan hier mit einer gewissen Absicht gehandelt hat - habe ich (Captain OUZO) zu viel nach Achtern geblickt und einen überkommenden Brecher völlig übersehen. Innerhalb einer Sekunde rannen mehrere Eimer Seewasser zwischen mir und meiner Regenjacke durch und ergossen sich so in die Pantry. Im Cockpit stand das Wasser so hoch, dass alle Leinen hinter das leeseitige Steuerrad geschwemmt wurden und auch Captain BLAUBÄR wechselte aufgrund dieser Wassermassen ungewollt von Luv nach Lee. Mir tropfte danach noch gut fünf Minuten lang die halbe Ägäis aus den Ärmeln meiner Regenjacke.

Kurz nach 17.00 Uhr erreichten wir die Bucht Kontala auf Serifos, wo wir die Nacht verbrachten. In dieser Bucht hämmerten die Fallwinde konstant mit Sturmstärke auf unsere 49er ein und wir waren froh, dass wir einen Jambo Anker hatten, der auch unter solchen Umständen verlässlich hält. Der Sturm wurde in der Nacht so stark, dass wir ein Auslaufen auf den frühen Morgen verschoben.

Mittwoch:
Kurz nachdem wir den Windschutz der Insel Serifos um 07.00 Uhr verlassen und Kurs auf Poros genommen hatten, bemerkten wir einen waagrechten Riss im oberen Bereich der Genua (wie sich später herausstellte war lediglich die Naht aufgegangen). Wir nahmen die Genua so weit weg, dass der Riss nicht mehr sichtbar war und fuhren nun mehr oder weniger als "Großsegler", also nur mehr mit dem Groß, bis Poros. Die 49er läuft übrigens auch mit dem Groß alleine recht gut, die Geschwindigkeit nimmt kaum ab, lediglich die Luvgierigkeit wird etwas größer. Um 16.00 Uhr erreichten wir Poros. Laut Hafenhandbuch gibt es in Poros einen Segelmacher am Kai der "greek charter". Wir legten also dort an und es dauerte auch nur wenige Minuten, bis der Segelmacher, der zur "greek charter" gehört, bei uns auftauchte. Allerdings nahm er unsere Arbeit nicht an, er meinte, dass er die notwendigen Maschinen für eine Reparatur nicht habe und er riet uns, das Segel nach Athen einzuschicken. Ob seine Behauptung der Wahrheit entsprach oder nicht, kann ich nicht sagen. Für das Einschicken des Segels hatten wir aber weder Zeit noch Lust, also holte Erich Friedrich aus seinem Seesack Nadel, Segelgarn und Tape und nähte das Segel einfach selbst. Die Arbeit dauerte zwar gut zwei Stunden, aber das selbst genähte Segel hielt dann auch ohne weitere Probleme bis Split. Als kleine Entschädigung hatte uns der Segelmacher allerdings noch einen Tankwagen bestellt und nach dem Bunkern von Diesel zog es uns in eine Taverne, wo sich die Crew wieder ausgiebig dem griechischen Mythos und einem hervorragenden griechischen Essen hingab.

Donnerstag:
Um 03.10 Uhr hieß es wieder "Leinen los" und die Stoncica nahm bei Flaute und unter Motor Kurs auf den Kanal von Korinth. Wir erreichten den Molo der Kanalverwaltung um 07.30 Uhr und mein erster Weg führte mich ins Büro der Kanalverwaltung. Zwei überaus freundliche Bedienstete erledigten die Formalitäten völlig unbürokratisch innerhalb weniger Minuten. Der Verwalter wies mich an, am Funk auf Standby für die Durchfahrtsfreigabe zu bleiben. Vor der Ankunft am Molo hatte ich jedoch vergeblich versucht, Funkkontakt mit der Kanalverwaltung herzustellen und als ich dem Verwalter sagte, dass unser Funkgerät möglicherweise defekt sei, meinte er nur, dann werde er eben vors Gebäude kommen und uns die Freigabe zurufen. So freundlich und unproblematisch geht´s in Griechenland zu.

Nach einer knappen Stunde und zwei oder drei Mythen und nachdem sich auch der Hafenhund noch an unserer Wurst delektiert hatte, erhielten wir die Freigabe für die Durchfahrt. Unter Maschine ging es durch den Kanal - ein beeindruckendes Erlebnis.

Den nächsten Zwischenstopp machten wir in der Stadt Korinth, da unsere Essensvorräte zur Neige gingen und auch vom griechischen Mythos war nicht mehr viel übrig. In einem Supermarkt nahe dem Hafen deckten wir uns mit Proviant ein. Da wir aber alles zu Fuß und auf unseren Schultern schleppen mussten, wurde unterwegs eine kurze Pause in einem Straßencafe zwingend notwendig. Obwohl niemand Lust auf Kaffee hatte, zog es uns hinein - mythisches Griechenland.
Vor dem Cafe spielten sich dann noch dramatische Szenen ab, als eine Zigeunerfamilie (Frauen, Mädchen und ein Junge) auftauchten, um bei einer Baustelle Altmetall zu suchen. Die Frauen luden das gefundene Altmetall in einen ziemlich neuen Mercedes Sprinter und die Kinder wollten gleich auch die Kanalgitter von der Straßenmitte mitnehmen. Die bereits ausgehobenen Gitter ließen sie dann aber nach dem Protest der Mutter doch zurück, die Löcher blieben aber offen. Als der Junge aber versuchte, den Frauen bei der Arbeit zu helfen, erhielt er sofort eine schallende Ohrfeige - frei nach dem Motto: Männer haben nicht zu arbeiten. - Griechenland ist doch noch eine heile Welt.

Von Korinth ging es weiter nach Itea, wo wir am Abend um 20.45 Uhr in der Marina anlegten. Bei einem guten Abendessen in einem Strandlokal gaben wir uns vor dem Schlafengehen wieder dem Mythos Griechenlands hin.

Freitag:
Ein fauler Tag - Wir lagen am äußersten Ende der ersten Mole und es gelang uns ziemlich rasch jenen Mann aufzutreiben, der in der Marina Itea für Wasser und Diesel zuständig ist (in der an sich gut ausgebauten Marina gibt es weder Wasser- noch Stromanschlüsse und übrigens auch keine Moorings). Gegen 08.30 Uhr fuhr ein - wie wir später erfuhren, dreißig Jahre alter - Pickup die Mole entlang auf unser Schiff zu. Der Fahrer war ebenso zerknittert und verbeult wie sein Pickup mit dem darauf montierten Dieseltank. Als erstes wurde ich eingeladen, mit dem Tankwart im Pickup eine Hafenrunde zu drehen, wobei er mir jene Stelle zeigte, an der ich bei einer ausgewiesenen Tiefe von 1,5m mit unserer 49er anlegen und Wasser aufnehmen könne. Zur Wassertiefe meinte er nur: "Geht sicher". (Ging auch wirklich, wie sich später zeigte).

Bei der Rückfahrt zum Schiff fragte ich, ob er einen Arzt oder ein Krankenhaus empfehlen könne, da einer unserer Segelkollegen an starken Rückenschmerzen litt. Bei der Ankunft beim Schiff schnappte sich der Tankwart ohne viel zu fragen unseren amen Erich und fuhr ihn mit seinem klapprigen Tankwagen ins Krankenhaus, wo man Erich eine schmerzstillende Injektion verpasste, dann brachte er ihn wieder zum Schiff zurück. Weder der Tankwart noch die Ärztin im Krankenhaus ließen sich die Hilfeleistung bezahlen. Als alter Kroatiensegler fühlt man sich hier wirklich wie in einer anderen Welt. Letztendlich erwachte auch noch die uralte Dieselpumpe am Pickup knatternd und rauchend zum Leben und der Tank unserer Stoncica konnte gefüllt werden.

An diesem Tag teilten sich die Interessen der Crewmitglieder: Während der arbeitende Teil der Crew mit dem Autobus nach Delphi strebte um dort in heißer Trockenheit ausgiebig alte Steine zu fotografieren, gaben sich Captain OUZO und Captain BLAUBÄR in einer Strandbar dem Mythos Griechenlands und dem Ouzo hin. Um 16.00 Uhr tauchten die delphischen Orakelsucher wieder auf - was die Zukunft bringen wird, wussten Sie übrigens trotzdem nicht - und um 16.15 Uhr hieß es "Leinen los und Kurs auf Ithaka".

In einer herrlichen Nachfahrt ging es zuerst unter Motor bis Patras. Die neue Brücke durchfuhren wir noch mit Motor, wobei wir ständig rätselten, was uns der Brückenwart in seinem griechischen Englisch eigentlich am Funk hatte sagen wollen. Er war so wie alle seine Englisch sprechenden Landsleute kaum zu verstehen gewesen. Glücklicherweise sind an der traumhaft schön beleuchteten Brücke auch Signalanlangen für die Schifffahrt vorhanden und als eines dieser Lichter von Rot auf Grün umschaltete, wussten wir endlich, wo´s lang geht. Nach der Brücke frischte plötzlich der Wind auf und ausnahmsweise mal unter Vorwind ging es bis Vathi auf Ithaka, wo wir um 07.10 Uhr anlegten.

Samstag:
Vormittags wieder dasselbe Bild wie am Vortag. Captain OUZO und Captain BLAUBÄR frönten dem Mythos Griechenlands im ersten Lokal hinter dem Schiff, der Rest der Crew jagte Sehenswürdigkeiten. Ergebnis: Captain OUZO und Captain BLAUBÄR sahen sehenswert schöne Mädchen (Fotos als Beweis vorhanden), die Crew fand eine alte Kirche, mit noch älteren Ikonen und offenbar auch die Malerin jener Ikonen (Fotos als Beweis vorhanden), die auch als Kirchenführerin agierte.

Um 13.00 Uhr ging es weiter Richtung Korfu, wo wir nach einer unspektakulären Fahrt am Sonntag um 06.15 Uhr in der kleinen Marina Mandraki anlegten.

Sonntag:
Die Marina Mandraki gehört zwei griechischen Yachtclubs, liegt ganz am östlichen Ende des Hafens im Bereich der alten Festung und ist auch nur durch die Festung erreichbar. Man liegt dort sehr ruhig, es gibt Strom, Wasser, Duschen und ein Lokal, aber bei Einkäufen wird´s schwierig, da man die Waren sehr weit tragen muss. Der Tag verging mit einer Stadtbesichtigung und endete bei einem Straßen-Folklorefest, mit Ouzo, Mythos und Souflaki.

Am Nachmittag hatte ich noch bei der Hafenpolizei wegen des beabsichtigten Ausklarierens am nächsten Morgen nachgefragt. Die beiden höflichen Kollegen gaben dazu aber nur wenig interessiert an, dass am nächsten Tag wohl kaum jemand vor 10.00 Uhr im Büro sein werde.

Montag:
Neben uns in der Marina Mandraki lag ein Schiff, das leicht als weit gereistes Fahrtenseglerschiff erkennbar war. Ich erkundigte mich bei dem deutschen Paar auf diesem Schiff, wie das mit dem Ausklarieren funktioniert, was den beiden nur ein mildes Lächeln abrang. Der Skipper meinte dazu, dass er in Griechenland in den fünfzehn Jahren, in denen er dort vorbeikam, noch nie ausklariert habe, da die Behörden an dieser Arbeit nicht interessiert sind. Wir verzichteten auf diesen Behördengang somit ebenfalls.

Um 09.00 Uhr legten wir ab und fuhren noch in die große Marina Gouvia, nordwestlich von Korfu. In Gouvia gibt es eine Schiffstankstelle, in Korfu selbst ist Treibstoff nur an Autotankstellen erhältlich. Angeblich kann man auch in Gouvia ausklarieren, wir haben´s aber nicht probiert. In der Marina Gouvia sind auch Lebensmittel zu haben, mit dem Brot schaut´s aber so aus wie überall in Griechenland: "Brot ist gut aber aus". Zum Speck gab es daher später nur mehr ein kuchenartiges Weißgebäck und Toastbrotscheiben. Von Gouvia ging es dann in einer Nonstopfahrt nach Cavtat/Kroatien, wo wir am Dienstag um 20.00 Uhr einklarierten.

Dienstag:
Das Einklarieren ging rasch und ohne Probleme von statten, wenngleich auch die erste Frage der Polizistin war, ob wir aus Montenegro kämen. Als wir erklärten, dass wir von Griechenland kommen, hellte sich ihr Gesicht auf und die Amtshandlung verlief reibungslos. Offenbar herrscht hier noch immer die "alte Feindschaft".

Mittwoch bis Freitag:
Als Abschluss erlebten wir noch einige schöne normale Segeltage in Kroatien, allerdings nicht wie sonst üblich mit lauwarmen Karlovacko, sondern noch immer versorgt mit dem Mythos Griechenlands.

- mit dem Mythos in der Hand segeln wir von Land zu Land -

In diesem Sinne:
Hamas und Yassir oder wie Prost und Hallo auf Griechisch halt heißt.
Captain OUZO (Manfred KUTTNER)
und seine Crew

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