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Die aktuelle Geschichte:
Es kann nur einen Bruder geben

Andreas und Roman Hagara und das Duell um ein Olympiaticket



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Der Herr schaute auf Abel und sein Opfer, aber auf Kain und sein Opfer schaute er nicht.

Kopenhagen - Jeder wird den anderen beim Start behindern, jeder wird dem anderen den Wind wegnehmen wollen, jeder wird die windnähere Seite suchen (zumindest auf dem Weg zur Luv-Tonne), jeder wird den kleinsten Fehler des anderen ausnützen. Kurz: Es werden keine Gefangenen genommen. Auf dem Meer vor Kopenhagen treffen sich ab Donnerstag die Brüder Hagara, sie segeln die ultimative Regatta um die Olympia-Ausscheidung. Österreich darf nur einen Tornado nach Sydney schicken, nach der ersten Quali-Hälfte (Hyeres) liegt Andreas ein paar Zerquetschte vor Roman Hagara, das heißt gar nichts.

Roman (34) sagt, er sieht Andreas (36) "nach wie vor als Bruder", man sei "nur auf dem Wasser" in Konkurrenz. Freilich sei man früher quasi besser befreundet gewesen, das sei aber der normale Lauf der Dinge. Schließlich segelte man bis 1992 gemeinsam, dann aber wollte Roman von der Vorschot ans Steuer wechseln (kleine Brüder mucken manchmal auf), Andreas das Steuer aber nicht aus der Hand geben (große Brüder haben dicke Köpfe). Heute ist Andreas Hagara am Attersee daheim, Roman in Wien, man sieht sich in diversen Häfen und bei diversen Familienfestivitäten. Roman: "Früher haben wir natürlich viel mehr gemeinsam unternommen, wir waren gemeinsam bei der HSNS, sind gemeinsam Radfahren gewesen." Jedenfalls habe man, sagt Roman Hagara, zur in Deutschland lebenden Schwester "noch weniger Kontakt".

Eine Segel-Wettfahrt ist ein bisserl mit einem Formel-1-Rennen vergleichbar, der Start extrem wichtig. In Kopenhagen steht für die Hagaras nicht der Regatta-Sieg, sondern der direkte Vergleich im Vordergrund, jeder würde quasi lieber weit vor dem anderen Siebenter werden als knapp hinter dem anderen Zweiter. Bei den Starts also wird es sich regelmäßig abspielen, ein Hagara wird den anderen belauern, vielleicht sogar versuchen, den Gegner über die Startlinie zu "drücken".

Die Startlinie ist eine theoretisch von einem Schiff zu einem zweiten Schiff oder zu einer Tonne gezogene, sie darf nicht vor einer bestimmten Zeit überquert werden, die Segler werden sechs Minuten und fünf Minuten und eine Minute vor dem Start durch diverse Signale (Schuss, Flagge) verständigt, sie pflegen auch selbst mitzustoppen. Roman Hagara: "Die letzten zwei Minuten vor dem Start sind ein richtiges Gemetzel." Bei Fehlstarts kommt es entweder zu einem allgemeinen Rückruf mit Neustart oder zu einem Einzel-Rückruf, wobei sich der Zurückgerufene dann überlegen muss, ob es überhaupt Sinn macht, dem Feld sozusagen nachzuhetzen.

Andreas und Roman Hagara sagen, sie hoffen auf ein faires Duell. Und sie sagen, dass der Verlierer jedenfalls dem Sieger für Sydney alles Gute wünschen wird. (fri)

Tust du nicht recht, lauert an der Tür die Sünde als Dämon.


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