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Der Schutzengel von Alinghi

Von Marie Eloy


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    Von dem Moment an, wo die Alinghi den Hafen verlässt, bis zu ihrer Rückkehr weicht ihr Begleitboot, das so genannte "Chase Boat 1" der Schweizer Rennyacht nicht mehr von der Seite. Das Begleitboot, ein Zodiac, verfügt über sämtliche technischen Ausrüstungen, um die Regatten analysieren zu können. Ausserdem führt es auch stets Reparaturmaterial, Ersatzsegel und Verpflegung für die Segler mit sich. Damit kann es bei den kleinsten Problemen reagieren. Der nachfolgende Text gibt dazu einige Informationen.

    Zwischen den Rennen kann man das Begleitboot mit einer Formel 1 Box vergleichen. Innerhalb von nur wenigen Sekunden wird zwischen dem 12 Meter langen Motorboot und der Alinghi alles ausgetauscht, was die Segler benötigen. Das ganze Prozedere erfolgt unter höchster Konzentration und ist sehr effizient. Teammitglieder springen an Bord und der Austausch des Materials kann beginnen, eine Kiste mit Fitnessriegeln wird an die Segler übergeben, Wasservorräte nachgefüllt und zwei Segel ausgetauscht. Die Teammitglieder auf dem Begleitboot nehmen die Abfälle in Form von leeren Flaschen und Tüten entgegen…Schon entfernt sich das Begleitboot wieder. Das Ganze hat weniger als 10 Sekunden gedauert. Auf dem Meer gilt es, keine Zeit zu verlieren, denn bei Wellengang besteht sonst eine beträchtliche Gefahr, dass das Begleitboot die Siegeryacht aus dem America's Cup 2003 beschädigen könnte. "Der kleinste Zusammenstoss kann zu Reparaturen führen, die dann zusätzliches Rumpfgewicht verursachen", erklärt Joao Cabecadas vom Landteam. Das wäre natürlich schlecht, denn beim Bau des Rumpfes wird alles getan, um dessen Gewicht möglichst gering zu halten. "Ich fahre seit siebzehn Motorboot", sagt Joao. "In dieser Zeit habe ich noch nie einen so guten Fahrer gesehen wie Will. Er geht sehr sanft und vorsichtig mit dem Begleitboot um und behandelt es liebevoll wie eine Tochter. Das ist sehr wichtig, wenn er an die SUI 64 andockt." Während den Trainings muss Will Benedict, der "Skipper" des Chase Boats, sich nicht einmal über Funk mit Peter Holmberg, dem Steuermann der Alinghi unterhalten. Ein Blick genügt, zwei kleine Handbewegungen und schon hat sich Will in die richtige Position gebracht. Die SUI 64 dreht und bewegt sich wie in einem Ballett um das Begleitboot herum. Die America's Cup Class Yacht macht dabei einen beträchtlichen Lärm, das Knarren der Schoten und das Geräusch, welches die Grinder verursachen, wenn sie mit aller Kraft die Kurbeln drehen, erfüllt die Luft.

    Das Begleitboot deckt die SUI 64 und beschützt sie. Bei der Abfahrt aus dem Hafen nimmt es die Alinghi in den Schlepp und zieht sie bis zur Regattabahn. Während den Trainings überwacht es sie. "Wir haben an Bord denselben Computer, wie die SUI 64", erklärt Joao. Dieser ist wie ein zusätzliches Auge, ein zweiter Navigator. Damit können wir Winddreher sehen und unsere Geschwindigkeit anpassen. Wir wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, um abzudrehen. Manchmal dreht die SUI 64 nicht mit, denn Murray Jones, der hoch oben im Mast sitzt, sieht Dinge, die wir nicht sehen. Meistens überwachen Luc Dubois vom Design Team oder Pierre-Yves Jorand, der Team Coach, den Computer." Pierre-Yves hat ein kleines Notizbuch herausgezogen und macht sich für das tägliche Briefing Notizen. Er dreht sich zum Gast um, der im nächsten Match als 18. Mann auf der Alinghi mitsegeln darf und fragt ihn, ob er einen Photoapparat mit dabei hat. Der Mann bejaht. "Ja, dann müssen wir die Kamera einem Begleitboot mitgeben, denn es ist nicht erlaubt, während den Rennen auf der Regattabahn zu filmen oder zu photographieren." Die Leute auf dem Boot streichen sich mit Sonnencrème ein. Es wird empfohlen, eine Crème mit Lichtschutzfaktor 50 zu verwenden. "Darf ich Sie nach ihrem Gewicht fragen? 60 Kilogramm. Das bedeutet, dass wir zusätzliche 40 Kilogramm Gewicht auf die Alinghi bringen können." Pierre-Yves erklärt, dass zusätzlich zu den 17 Seglern noch ein Gewicht von 100 Kilogramm hinzugefügt werden kann. "Die Segler haben ein Gesamtgewicht von 1540 Kilogramm. Das macht knapp 90 Kg. pro Person", sagt er und fügt lachend hinzu: "Ah! Das sind keine Fliegengewichte sondern richtige Kerle!" Nun unterhalten sich alle über die Windverhältnisse. 15 Knoten und stabile Verhältnisse. Nun nähern wir uns erneut der SUI 64, um Segel entgegen zu nehmen, die sie heute nicht brauchen. "Wir haben immer vier Spinnaker und vier Genuas an Bord. Davon ist ein Segel für das Rennen. Eines ist bereit, falls mehr Wind aufkommen sollte und eines, falls der Wind abflaut. Schliesslich haben wir auch noch ein Ersatzsegel, falls ein Segel reissen sollte."

    An Bord des Chase Boats befindet sich auch eine Tauchflasche, damit Joao, der schon die Badehosen anhat, sofort unter den Rumpf tauchen könnte, falls dies notwendig würde. "Wir haben auch eine Wasserpumpe mit auf dem Schiff, um eingreifen zu können, falls der Rumpf der Alinghi irgendwo beschädigt wäre und Wasser durch ein Loch einströmen könnte", erklärt Joao, der auch an Land dafür verantwortlich ist, dass alle notwendigen Hilfsmittel stets bereit sind. Ein weiteres wichtiges Utensil, das immer an Bord des Begleitbootes bereit liegt, ist eine Motorsäge. Diese könnte dem Rennschiff übergeben werden, falls der Mast gekappt werden müsste.

    5 Minuten und 15 Sekunden vor dem Start wirft Jochen Schümann das Funkgerät in einem wasserdichten Behälter über Bord der Alinghi. Die SUI 64 schneidet damit den Kontakt zum Begleitboot ab. Sie entfernt sich. Das Vorstartmanöver beginnt. An Bord des Begleitbootes werden die Stoppuhren aktiviert. Pierre-Yves zählt die Zeit mit. 40 Sekunden. "Go, go, go." Der Start zum Rennen ist erfolgt. Das Chase Boat beschleunigt und folgt der SUI 64. Alle an Bord sind nass, die Haut ist vom Meersalz verkrustet und das Salzwasser tropft jedem in die Augen. Die Sonne brennt hernieder. Das wird ignoriert, die ganze Aufmerksamkeit liegt bei der SUI 64. Bis zur Rückkehr an den Quai lässt die Besatzung des Begleitbootes die Alinghi nicht mehr aus den Augen.




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