EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM


K R O A T I E N

            Freund oder Feind ?



             Yacht Revue -1/1998

Wer Kinder an Bord hat, ist im Ernstfall besonders auf Hilfe von anderen angewiesen. In Dalmatien ereigneten sich zwei Vorfälle, die sehr unterschiedliche Erinnerungen bei den Betroffenen hinterließen

Einen gemütlichen Törn in den Kornaten hatte Familie Stolz geplant, unterwegs auf einer Oceanis 430 mit Tochter Alexandra, sieben Jahre, und dem neunjährigen Neffen Philipp. Doch ein schlimmer Unfall in der Marina Veli Iz unterbrach die Urlaubsidylle: Philipp stürzte vom Großbaum durch die offene Luke in den Salon und zog sich eine stark blutende Wunde in der rechten Achsel zu. “Der Arm ist ab!” war die erste entsetzte Reaktion der Erwachsenen, in Panik bat Bernhard Stolz den Marinaleiter um Hilfe. Nach vergeblichen Versuchen, den örtlichen Arzt zu erreichen, nahm dessen Sohn Sinisa die Dinge in die Hand. Ein Freund von ihm, Mediziner aus Zadar und gerade auf Iz urlaubend, kam innerhalb von fünf Minuten an Bord, untersuchte den Kleinen und nahm die Erstversorgung vor. Gott sei Dank waren trotz des tiefen Einrisses weder Nerven noch Hauptschlagader in Mitleidenschaft gezogen worden, doch die Verletzung mußte genäht werden. Ohne zu zögern bot Sinisa an, die Urlauber mit seinem Motorboot nach Zadar zu bringen.

Am Weg dorthin die nächste Katastrophe: Die Benzinzufuhr funktionierte plötzlich nicht mehr, hilflos schaukelte das Ehepaar Stolz und der stark mitgenommene Philipp auf dem dreieinhalb Meter langen Boot unter der Brücke zwischen Pasman und Ugljan durch. Sinisa behielt die Nerven: Er stoppte eine vorbeikommende Yacht, deren Eigner die Schiffbrüchigen an Bord nahmen und nach Sukosan brachten. Während der Fahrt verständigte der Sohn des Marinaleiters per Handy Ambulanz und Hospital, sodaß der Rettungswagen schon im Hafen auf den kleinen Verletzten wartete. Philipp wurde ins Krankenhaus nach Zadar gebracht, Sinisa dolmetschte, organisierte, löste diverse bürokratische Probleme, tröstete die kreuzunglückliche Tante und fuhr sogar per Autostop ins Stadtzentrum, um beim ortsansässigen Versicherungsträger den nötigen Stempel für den Urlaubskrankenschein zu besorgen. Zu guter Letzt checkte er für die Österreicher noch die Heimreise nach Veli Iz, wo Familie Stolz mit dem dick einbandagierten Philipp am Abend eines langen Tages wieder einlangte. “Bei soviel Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit waren wir fast sprachlos,” erinnert sich Petra Stolz, “Sinisa ließ sich nicht einmal die Unkosten ersetzen, wir durften ihn und alle anderen, die uns zur Seite gestanden waren, lediglich zum Abendessen einladen.”

Kroatien, Urlaub bei Freunden – Familie Stolz wird diesem Land sicher die Treue halten.

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Ganz andere Erfahrungen machte Günter Leitner. Auf der von ihm gecharterten Oceanis 390 befanden sich vier Erwachsene und drei Kinder im Alter von sieben Monaten, zehn Monaten und drei Jahren – ein “Windeltörn”, der natürlich ganz auf die Bedürfnisse der Jüngstencrew abgestimmt war.

Auf dem Weg von der Marina Kremik nach Norden geriet der Babydampfer in ein aufziehendes Gewitter. Bei leichtem Regen lief Leitner um etwa 14 Uhr 30 in die ACI-Marina Jezera ein, froh, mit seiner heiklen Fracht in Sicherheit zu sein. Doch zwei Marinaarbeiter riefen ihm zu, daß alles voll sei und die Österreicher woanders Schutz suchen sollten. “Man riet uns, nach Vodice zu fahren,” ärgert sich Skipper Leitner noch heute, “das ist über sechs Seemeilen entfernt, und genau von dort kam das Gewitter!” Noch dazu gab es, wie unschwer zu erkennen war, sehr wohl freie Plätze in der Marina. Leitner & Co versuchten, ihre Situation mit den drei Kleinkindern an Bord zu erklären, doch die beiden zuständigen Männer zeigten sich wenig entgegenkommend. Auf eigene Faust parkte Leitner die Oceanis schließlich in eine freie Lücke, suchte wutentbrannt die Rezeption auf und telefonierte mit dem ACI-Büro in Opatija. Die Interventionen hatten Erfolg, die Yacht durfte liegenbleiben. Am nächsten Tag – die Wetterlage sprach gegen ein Auslaufen – wurde den Österreichern nach zähen Verhandlungen ein anderer Liegeplatz zugewiesen, wobei sich die Marinaarbeiter beim Umparken zu keiner wie immer gearteten Hilfestellung herabließen.

“Sollte die Marina Jezera nur für Dauerlieger bestimmt sein und Transitgästen daher kein Tagesliegeplatz zur Verfügung stehen, müßte der ACI das bekannt geben, damit wir Charterskipper uns danach richten können,” resümiert ein enttäuschter Günter Leitner, “wenn es sich aber um interne Probleme der Marinabetreiber handelt, wäre der ACI gut beraten, dagegen vorzugehen. Immerhin gerät so der gute Ruf der ACI-Marinas in Mißkredit.”

Fazit: Es ist eine Frage des Glücks, an wen man in einer schwierigen Lage gerät, von totaler Wurstigkeit bis zu rührender Hilfsbereitschaft ist alles drin. Aber das ist in Österreich nicht anders.

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Page by Peter O.Walter, SY ESYS
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