EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM

Revierinformation für Segler:
Der thermische Wind

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Thermik ist eine Form von Aufwind, die dadurch entsteht, dass Sonneneinstrahlung die Erdoberfläche und in Folge die Luft am Boden erwärmt. Die Thermik, wissenschaftlich Konvektion genannt, transportiert als „Klimaanlage“ der Atmosphäre im Tagesverlauf von der Sonne erwärmte Luft in größere Höhen und bringt gleichzeitig kühlere Luft aus mehreren hundert Metern Höhe zum Erdboden. Bergsteiger spüren diesen Aufwind oft beim nachmittäglichen Abstieg als warmen Gegenwind aus dem Tal, motorlose Flieger wie Segelflieger, Drachen- und Gleitschirmflieger schätzen ihn als sogenannten „Bart“ zur Höhengewinnung. Thermik ist u.a. verantwortlich für die Entstehung von Talwinden, in extremer Form sind sie auch als Staubteufel (Dust Devils) bekannt. Auch Segler nutzen thermische Winde, z.B. am Gardasee, am Walchensee und an vielen anderen Gebirgsseen.
Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht müssen möglichst groß sein, dann wird der thermische Wind stark.

Thermik benötigt zur Entstehung ausreichend Sonneneinstrahlung und eine geeignete Bodenbeschaffenheit. Vereinfacht erwärmt sich eine wachsende Luftschicht am Boden. Durch Inhomogenitäten oder leichte Störungen bildet sich an einer Stelle der Warmluftschicht eine Beule, an der sich die Warmluft anfängt zu sammeln und nach oben zu drängen. Wenn genügend Warmluftvolumen angesammelt ist, fängt das Paket an, emporzusteigen. Es gibt zwei Möglichkeiten der Thermik, die nun eintreffen können:

- Paketartige Thermik: hier löst sich das Luftpaket vom Boden (die sogenannte Ablösung tritt ein, der am Boden stehende Beobachter erkennt dies durch schnell auffrischenden Wind, der durch die nachströmende (Kalt-) Luft verursacht wird und nicht aus der Hauptwindrichtung kommt). Ein Segelflieger bemerkt starke Schwankungen der Steigrate, bei der Höhengewinne immer wieder von Sinkperioden unterbrochen werden, obwohl der eigene Standort nicht verändert wird.
- Thermikschlauch: hier herrscht ein kontinuierlicher Nachschub von erwärmter Luft am Boden vor, so dass permanent die nach oben entweichende Luft in Bodennähe nachströmt, schnell genug und in ausreichender Menge erwärmt wird und nach oben entweicht. Das Steigen ist nahezu konstant.

Da die Luft vor allem in einer labil geschichteten Atmosphäre leicht aufsteigt und sich dabei zunächst über den trockenadiabatischen Temperaturgradienten abkühlt, kann sie irgendwann das Kondensationsniveau erreichen und es zur Entstehung von Wolken kommen. Cumuluswolken sind somit ein sichtbares Anzeichen für Thermik.

Ist die Luft zu trocken, so dass keine Wolkenbildung eintritt, spricht man von Blauthermik - der Himmel bleibt wolkenlos und blau. Sie kann allenfalls durch mitaufsteigende Pollen, Staub sowie kreisende Vögel oder Segelflugzeuge erkannt werden. Im Gegensatz dazu können sich bei entsprechender Thermikstärke aus Cumuluswolken im Tagesverlauf Cumulonimbuswolken und Gewitter bilden.

Oftmals „fließt“ die entstandene Thermik einen Hang entlang entgegengesetzt zur Falllinie nach oben bis zu einer Abrisskante - dies kann ein Knick im Gelände sein oder eine Änderung der Bodenbeschaffenheit. Dort trennt sich das Warmluftpaket vom Boden und steigt wie eine große Seifenblase auf. Im Flachland hilft leichter bis mäßiger Wind dabei, dass sie sich an Geländekanten oder Waldrändern vom Boden lösen und aufsteigen kann.

Der thermische Aufwind endet, wenn vom Boden keine weitere Warmluft nachströmt. Das kann z.B. der Fall sein, wenn übermäßig viele Thermikwolken die Sonneneinstrahlung vermindern. Je nach Sonneneinstrahlung kann es einige Zeit dauern, bis wieder genügend Warmluft entstanden ist und diese wieder aufsteigen kann. Bei diesen wiederkehrenden Aufwinden an gleicher Stelle spricht man von pulsierender Thermik.
Sperrschichten wie Inversion oder die Tropopause stoppen die aufsteigende Luft in der Höhe.

Thermische Wind an Gebirgsseen sind am stärksten im Frühjahr, wenn die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht noch groß sind. Im Hochsommer mäßigen sie sich etwas.

Lebenslauf der Thermik
1 Warmluftquelle 2 Ablösung
3 Thermikschlauch mit Dunstkappe 4 Thermikwolke in Basishöhe 5 Die Thermikwolke beginnt zu zerfallen
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Thermik am Abend kurz vor dem Zusammenbrechen
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Ortsfeste Thermikwolken über dem Stellihorn (Wallis)
(Bild: Mg-k)




Weblinks:
Der thermische Wind in Wikipedia
Thermischer Wind am Walchensee
Thermischer Wind am Gardasee


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Schlagwörter: thermischer Wind, Thermik, Seen mit thermischem Wind, Thermikschlauch, Paketartige Thermik, Blauthermik, Sperrschichten, Inversion, Tropopause, Segeln, Wind, Windbedingungen, Revierinformation

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