Die griechische Insel Karpathos (türkisch Kerpe, italisch Scarpanto, lateinisch Carpathus) ist nach
Rhodos die zweitgrößte Insel der Präfektur Dodekanes. Die Insel hat etwa 6.500 Einwohner. Pigadia, auch Karpathos Stadt genannt, ist der Hauptort.
Karpathos liegt auf dem östlichen Südägäischen Inselbogen, der die Gebirgszüge der Peloponnes mit dem Taurusgebirge in der südwestlichen Türkei verbindet und gleichzeitig die Grenze der Ägäis zum Mittelmeer darstellt. Nachbarinseln sind
Rhodos 46 km nordöstlich und Kasos 6 km südwestlich sowie im Norden, getrennt durch eine knapp 100 m breite und ca. 1,5 m tiefe Meerenge, das unbewohnte Eiland Saria. Die größte Länge hat die Insel mit etwa 48 km in Nord-Süd Richtung, die maximale Breite erreicht fast 12 km, die schmalste Stelle weniger als 3,5 km. Ein kahler, teilweise mit Kiefern bewaldeter Bergzug durchzieht die Insel von Norden bis zur Mitte der Insel. Während im Norden Höhen über 600 m erreicht werden steigt die Kali Limni im zentralen Inselbereich auf eine Höhe von 1.215 m an, zusammen mit dem Attavyros auf Rhodos die höchste Erhebung der Dodekanesinseln. Südlich davon wird es zunächst hügeliger im äußersten Süden flach. Ein großer Teil der einst üppigen Bewaldung fiel mehreren verheerenden Waldbränden zum Opfer.
Karpathos war bereits in der Antike besiedelt. Die Dorer gründeten dort die vier Städte Poseidion (heute Pigadia), Arkesia (heute Arkassa), Vrykous (heute Wurgunda) und Nisyros (heute Ta Palatia, Saria), weshalb Strabon die Insel auch Tetrapolis nannte. Zu dieser Zeit war die Insel sehr fruchtbar. In den kommenden Jahrhunderten wurde Karpathos ein enger Verbündeter Athens.
Nach Abzug der italienisch-deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg fiel während der großen Hungersnot 1944 dem Dorf Finiki eine besondere Rolle zu. Sieben Fischer segelten von hier mit einem kleinen Boot ohne Funk und Kompass nach Ägypten, um Hilfe zu holen. Bereits eine Woche später kehrten sie an Bord britischer Kriegsschiffe heim und brachten Nahrungsmittel und Medikamente für die notleidende Bevölkerung mit. Ein Denkmal am Hafen von Finiki erinnert an ihre Heldentat.
Am 23. Mai 2006 kollidierten in der Nähe der Insel ein griechisches und ein türkisches Kampfflugzeug vom Typ F-16 „Falcon” bei einem Abfangmanöver. Griechenland beansprucht einen nationalen Luftraum mit einer Breite von 16 Kilometern jenseits der eigenen Küstenlinien. Die Türkei erkennt aber nur zehn Kilometer an, was der Breite der nationalen Seegebiete entspricht. Ein Jahr später wurde in Pigadia in der Nähe des Hafens ein Denkmal für den aus Karpathos stammenden getöteten griechischen Piloten errichtet. Wegen Konflikten in der Ägäis standen Griechenland und die Türkei seit 1974 bereits drei Mal am Rande eines Krieges.
Der relativ kleine Flughafen Karpathos am Südende der Insel befindet sich im Umbau (2008). Die täglichen Verbindungen mit Athen, Rhodos und Kassos werden durch Olympic Airlines bedient, während des Sommers ergänzen Charterflüge das Angebot.
Zum Haupthafen Pigadia und nach Diafani bestehen Verbindungen von Piräus über die Kykladen, teilweise über Kreta nach Rhodos. Aufgrund der schlechten Erreichbarkeit des Inselnordens wurde 1922 der Hafen von Diafani ausgebaut. Zusätzlich existieren Verbindungen für den Verkehr innerhalb der Insel und zur nördlich gelegenen Insel Saria.
Während der Süden mit dem Hauptort Pigadia und im zentralen Inselbereich die Straßen relativ gut ausgebaut sind, existiert in den Nordteil der Insel keine durchgehend asphaltierte Straßenverbindung. Die Schotterpiste nach Olymbos wurde erst in den 1980er angelegt. Weshalb der Inselnorden am besten über den Hafenort Diafani zu erreichen ist.
Tourismus und Unterkünfte: Das Angebot an Ferienwohnungen, Pensionen und Hotels ist reichlich.
Karpathos / Pigadia Haupthafen
36° 51,67' N 025° 39,21' E
Die Hafenstadt Pigadia wirkt so freundlich, dass das den seelenlosen Hafen fast wettmacht. Bei der Ansteuerung muss mit schweren Fallböen gerechnet werden. Strom und Wasser am Kai.
Der südliche Teil der Insel ist bei Windsurfern wegen ihrer guten Windstatistik und hohen Windstärke beliebt. Der Meltemi wird durch die lokale Topographie noch verstärkt und bläst im Sommer wochenlang ohne Pause Tag wie Nacht mit durchschnittlich 5 - 7 Bft und erreicht an manchen Tagen sogar 9 Bft. In der sogenannten Devil's Bay findet jeweils im August eine Speed-Windsurf-Konkurrenz statt.
Achtung: An allen Buchten und Ankerplätzen von Kasos und Karpathos muss während der Meltemi-Saison mit heftigen bis schweren Fallböen gerechnet werden!