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Revierinformation für Segler:
Imia: Zwei Steinhaufen und eine internationale Krise

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Imia (Türkisch: Kardak Adalari)
37° 02,8'N 027° 09,2'E
Dass sich griechische und türkische Kampfjets gegenseitig abschießen - auch wenn das in letzter Zeit weniger häufig vor kommt - daran ist man fast schon gewöhnt. Dass die beiden Nationen, sie sind immerhin Natopartner, aber an den Rand eines Krieges geraten, das ist es schon wert, die Geschichte zu erzählen:

Imia, 25.12.1995: Das türkische Frachtschiff "Figen Akat" gerät bei Kardak (türk. Name für 'Imia') auf Grund. Die griechische Coastguard bietet Hilfe an. Der türkische Kapitän lehnt ab mit der Begründung, dies sei türkisches Gebiet, da müsse er sich nicht von einem Griechen helfen lassen. Trotzdem zieht ein griechisches Bergeunternehmen am 28.12.95 die "Figen Akat" von den Klippen und schleppt sie nach Güllük, wo sie am Kai festgemacht wird.
Nun hatte der gestrandete türkische Frachter die Frage provoziert, wem das Eiland eigentlich gehört. Die Regierungen wollten die Sache nicht hochspielen.
Vergebens: Der Bürgermeister der benachbarten griechischen Insel Kalymnos und ein Priester hissen am 26. Januar 1996 unter den Fanfarenstößen der Medien die griechische Flagge. Darauf landeten Journalisten der türkischen Zeitung Hürriyet mit einem Hubschrauber auf der Insel und ließen vor laufenden Kameras den türkischen Halbmond aufsteigen.
Die Türkei ließ die Inseln durch eine militärische Einheit besetzen, ein griechischer Hubschrauber stürzte bei einem Beobachtungsflug nahe Imia ab, wobei von griechischer Seite türkischen Beschuss dafür verantwortlich machte; offiziell wurde dieser Vorfall aber nicht weiter kommentiert, um die angespannte Lage nicht noch weiter aufzuheizen. Die Auflagen der türkische Tageszeitung Hürriyet (entspricht etwa der deutschen Bildzeitung) explodierte, das Fernsehen erzielte traumhafte Einschaltquoten.
Nun nimmt sich die griechische Navy der Sache an: Man setzt am nächsten Tag wieder die griechische Nationale, die Insel wird nun bewacht. Ein griechischer Mathematikprofesor bietet an, 24 Std. symbolisch Wacht auf der Insel zu halten. Ein pensionierter griechischer Oberst macht gar das Angebot, auf dieser Insel zu wohnen.
Drei Griechen starben bei einem Helikopterabsturz -
30.1.96: Um die Insel marschieren auf: 1 Fregatte, 2 Schnellboote, 2 Patrouillenschiffe (türkisch), griechische Flottenpräsenz "ein wenig stärker". (Süddeutsche Zeitung) Uno-Generalsekretär Butros Ghali mahnt zur Besonnenheit.

Die Krise wurde noch in derselben Nacht entschärft. Der amerikanische Präsident Clinton und seine Mannschaft telephonierten stundenlang mit den Ministerpräsidenten in Athen und Ankara. Als am nächsten Morgen die Sonne über der Ägäis wieder aufging, hatten sich die Kampfschiffe zurückgezogen und die Regierungschefs der Europäischen Union ausgeschlafen.

Wenig später stand auf der Insel ein Fahnenmast, nackt und ohne Flagge, aber ungeheuer stabil und fest einbetoniert: Ein nicht ganz armer Spaßvogel hatte den Mast intalliert, um der griechische Regierung die Kosten für den Kauf immer neuer Flaggenmasten zu ersparen.
Weitere vierzehn Tage später stand ein zweiter Mast daneben, diesmal von einem türkischen Gönner: Man könne ja schlecht die türkische Flagge an einem griechischen Masten hissen ...

Auf Imia weht nun keine Flagge mehr, nur sechs Ziegen drängeln sich um die letzten Grashalme. Ursprünglich hatten griechische Bauern dort nach Ausbruch der Krise vierzehn Tiere hingebracht, das Fernsehen war natürlich dabei. Türkische Journalisten notierten hingegen aufmerksam, daß acht Ziegen auf dem felsigen Eiland bereits verhungert seien ...

Tip von ESYS: Wir sind dutzende von Malen an Imia vorbeigesegelt. Stets war die griechische Navy oder Coastgard präsent, einmal sogar ein U-Boot. Abstand halten! Keinesfalls irgendwelche "Flaggenspäßchen"!!!



Informationen zu Imia: Es handelt sich um zwei winzige Inseln, eigentlich größere Steinhaufen, 2,6 sm westlich Gümüslük, 5,5sm östlich Kalymnos, unbewohnt, kein Baum, nackter Fels. Laut NTV werden in dem Gebiet Ölvorkommen vermutet (Was zu bezweifeln ist!).



Dass der Konflikt immer noch am Schwelen ist, belegt fogende Pressemeldung von HELLAS NEWS / Griechenland Nachrichten:



TÜRKISCHE F-16 KAMPFJETS VERLETZEN TÄGLICH MEHRMALS DEN GRIECHISCHEN LUFTRAUM
(Januar 2009) Angesichts der Ohnmacht der türkischen Regierung ihre Militärs in den Griff zu bekommen, verstärken sich täglich die Verletzungen des griechischen Luftraumes in der östlichen Ägäis.
Analytiker rechnen mit weiter andauernder Provokationen seitens der türkischen Armee, die so wieder das Bild des Erzfeindes Griechenland unter der Bevölkerung schüren will, angesichts der Kommunalwahlen im März. Man erhoffe sich so die nationalistischen Gefühle Teile der Bevölkerung zu wecken und dadurch mehr Stimmen zu erhalten.
Da die Haltung der NATO bisher weitestgehend neutral blieb und die USA bis zur Amtsübernahme und der inneren Finanzprobleme durch Barack Obama teilweise gelähmt bleiben, nutzen die türkischen Militärs die Situation aus.

Die türkische Regierung mache sich hindessen Sorgen wegen der immer kleiner werdenden Chancen eines EU Beitritts des Landes durch die hirnlose Taktiken ihrer unkontrollierbaren Militärs.



"Der Westen" schreibt am 24.06.09:
Die Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei nehmen zu. Griechenland klagt: Türkische Kampfflugzeuge verletzten täglich den Luftraum.
Die Urlauber auf den griechischen Ägäisinseln genießen den blauen Himmel, aber die politische Wetterlage über dem Meer, das Griechenland und die Türkei trennt, verdüstert sich zusehends: Immer häufiger düsen seit einigen Monaten türkische Kampfjets durch den griechischen Luftraum. Fast täglich donnern die türkischen Phantoms und F-16 auch im Tiefflug direkt über bewohnte griechische Ägäisinseln wie Agathonissi, Leros oder Limnos hinweg. „Diese Flüge über bewohnten Inseln machen uns große Sorge”, sagt Außenministerin Bakogiannis.
Eine offene Frage ist, ob die zunehmenden Luftraumverletzungen – etwa fünf pro Tag – auf das Konto der türkischen Militärführung gehen, die sich traditionell von den Politikern in Ankara nichts vorschreiben lässt, oder ob dahinter eine politische Strategie der Regierung Erdogan steckt. Manche Athener Beobachter meinen, mit den Überflügen wolle die Türkei Gebietsansprüche in der Ägäis unterstreichen.




windsack
Im Sommer (Meltemi) aus Nord, aber nicht so stark wie in der Zentralägäis. Nachts legt es sich meist. Wenn er dennoch in der Nacht weht, ist am nächsten Tag sehr starker Meltemi zu erwarten. Im Frühjahr und im Herbst ist der Meltemi schwächer. Ein gutes Zeichen ist abendlicher und nächtlicher Tau. Dann gibt es am nächsten Tag wenig oder keinen Wind. Im Winter kann es zu heftigen (!) Stürmen bis zur Orkanstärke kommen.




Griechische F 16  Großbild klick!
















Griechische Fregatte 'Psara' (F454)  Großbild klick!













Lage von Imia  Großbild klick!




























Grenzverlauf bei Imia  Großbild klick!























Formation amerikanischer F-4 Phantom  Großbild klick!

Weblinks:
Imia in Wikipedia


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Schlagwörter: Imia, Kardak Adalari, griechische Insel,unbewohnte Insel, Griechenland, Türkei, Nato, Coastguard, Steinhaufen, internationale Krise, Fahrtensegeln, Segeln, Wind, Windbedingungen, Revierinformation

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