EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM
Revierinformation für Segler:
Küstenformen - die Fördenküste

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Als Förde bezeichnet man eine von einer Gletscherzunge gegrabene, üblicherweise schmale Meeresbucht. Sprachlich ist Förde die deutsche und Fjord die skandinavische Variante desselben Wortes. An der Ostküste der Kimbrischen Halbinsel werden teilweise dieselben Buchten auf Dänisch Fjord und auf deutsch Förde genannt.

Als geologischer Begriff unterscheiden sich Fjord und Förde jedoch, obwohl beides Glaziale Rinnen sind, also Täler, die durch Gletscher vertieft wurden. Während Fjorde von Gebirgsgletschern gegraben wurden, deren in Hochtälern (Karen) entstandenes Eis sich seewärts bewegte, wurden die Förden von Zungen eines großen Eispanzers gegraben, der in Zeiten stärkster Vereisung die Becken von Ostsee und Kattegat bedeckte und dessen Eis sich in flachem Gelände landwärts bewegte. Sie enden daher in einer Grundmoränen-Landschaft. Aufgrund dieser Entstehungsweise ist für Förden das weitgehende Fehlen von Seitentälern, insbesondere von Hängetälern, typisch.

In Schleswig-Holstein, etwa von Flensburg bis Lübeck, ist der Küstenabschnitt durch Förden gekennzeichnet.

Förden sind die Flensburger Förde, die Schlei, die Eckernförder Bucht und die Kieler Förde. Diese sind bei der Entstehung der Ostsee durch den Anstieg des Meeresspiegels vollgelaufene ehemalige Gletschertäler.
Der Unterschied zu Fjorden besteht darin, dass die Gletscher sich nicht vom Land zur See bewegten, sondern umgekehrt der Eispanzer über der heutigen "Ostsee" Gletscher vorantrieb, die nach dem Abschmelzen eine Rinne übrig ließen, die sich mit Seewasser füllte. Die Schleswig-Holsteinischen Förden werden von den Landschaften Angeln, Schwansen und Dänischer Wohld getrennt. Zwischen der Kieler Förde und der ihr vorgelagerten Kieler Bucht einerseits und der Lübecker Bucht als Teil der Mecklenburger Bucht andererseits liegt die Probstei und die Halbinsel Wagrien mit der Insel Fehmarn.
Der Hemmelsdorfer See bei Timmendorfer Strand ist ebenfalls eine alte Förde. Er ist wesentlich tiefer als die durch eine eiszeitliche Landbarriere abgeschnittene, davorliegende Lübecker Bucht. Die Küstenlandschaft der südlichen Ostseeküste wird in diesem Bereich durch den Baltischen Landrücken geprägt, der sich von der Holsteinischen Schweiz bis ins Baltikum zieht.

Fördenartige „Fjorde“ der Ostküste Jütlands
* Langerak, 32 km lang, östlicher Teil des Limfjords; östliche Einfahrt vom Kattegat her, westlich Verbindung zu den lagunenartigen übrigen Teilen des Limfjords
* Mariagerfjord, 35 km, Strömungsrinne 42 km lang
* Randers Fjord, 30 km lang, Einfahrt von Norden, verzweigt sich im Süden T-Förmig
* Grund Fjord, östlicher Arm des „Querbalkens“ des T, weniger verlandet als der innere Teil des Randers Fjords)
* Norsminde Fjord, nur noch wenig über 3 km lang, durch Landgewinnung in 1830 Jahren verkürzt und durch weitgehende Verlandung der Einfahrt zum Binnensee mit kanalisiertem Meerzugang geworden.
* Horsens Fjord, 16 km lang; die Einfahrt zwischen den Inseln Alrø und Hjarnø heißt Alrø Sund.
* Vejle Fjord, 12 km lang
* Rands Fjord, nur 3 km lang, im 19. Jahrhundert noch eine Förde. Nachdem die Einfahrt durch einen Damm versperrt wurde, jetzt Süßwasserreservoir.
* Kolding Fjord, 10 km lang
* Haderslev Fjord, 15 km lang, schmaler als die Schlei, stark geschlängelt
* Åbenrå Fjord, 10 km lang und 3 - 4 km breit
* Alsfjord, 12 km lang, mit dem Augustenborg Fjord sogar 20 km, breite Einfahrt von Norden sowie südlich der Alsensund als schmaler seitlicher „Hintereingang“; Augustenborg Fjord heißt das blinde Ende östlich des Alsensunds.

Förden (Grenze und Deutschland)
In Schleswig-Holstein gibt es vier Förden und zwei ehemalige Förden:
* Die Flensburger Förde ist Teil der deutsch-dänischen Grenze. Die Länge kann je nach Definition mit 40 bis 50 km angegeben werden.
* Die Schlei ist die schmalste (deutsche) Förde und kann mit 40–42 km Länge je nach Messart als die längste angesehen werden. Wegen ihrer geringen Breite wird auch die Ansicht vertreten, dass sie nicht von einer Gletscherzunge gegraben wurde, sondern eine eiszeitliche Schmelzwasserrinne sei, von der Entstehung her also keine Förde im engeren Sinne.
* Die Eckernförder Bucht (dänisch: Egernførde Fjord) ist es ebenfalls um eine von Gletschern ausgehobelte - sehr breite - Förde. Der Namensbestandteil "-förde" im Ortsnamen Eckernförde hingegen steht für Furt.
* Die Kieler Förde, zu der geologisch auch ein Teil der Kieler Bucht gehört.
* Die frühere Hemmelsförde ist durch einen niedrigen Dünenstreifen heute als Hemmelsdorfer See von der Lübecker Bucht abgetrennt.
* Die frühere Traveförde, heute durch Sandablagerungen teilweise verlandet und durch den Nehrungshaken Priwall von der Lübecker Bucht getrennt. Der offen gebliebene Rest, die mesohaline Pötenitzer Wiek, hat nur noch durch die Mündung der Untertrave Zugang zur Ostsee.

Im Bereich von Förden muss - bedingt durch den strukturierten Küstenverlauf - mit Windrichtungen und Winddrehern gerechnet werden, die nicht unbedigt dem Wetterbericht entsprechen. An Engstellen tritt der Düseneffekt auf, d.h. der Wind verstärkt sich erheblich. Zusätzliche Aufmerksamkeit ist nötig wegen der an diesen Küsten typischen Sandbänke und Untiefen.



Förden und fördenartige dänische Fjorde
(Bild: Ulamm)  Großbild klick!
Weblinks:
Fördenküste in Wikipedia


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Schlagwörter: Küstenformen, Fördenküste, Geographie, Geografie, Segeln, Wind, Windbedingungen, Revierinformation für Segler

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