EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM

Wettrennen mit dem Tod

Last update: Dienstag, 21. Februar 2006, 08:46 Uhr

Was so alles am Wasser passieren kann - Hätten Sie auch so reagiert ?

Mit freundlicher Genehmigung der Yachtrevue 3/1997 / Österreich / Otto Slawicek.
Im Sommer 1996 lag die 11 - Meter - Ketsch AMORE II in Lee der kleinen kroatischen Insel Krava vor Anker. Skipper Franz Bauer und seine sechsköpfige Mannschaft wollten nach dem Frühstück Kurs auf die Kornaten nehmen. 14 Tage Segeln, Schnorcheln, Tauchen und Faulenzen standen auf dem Programm.

Doch die Urlaubsstimmung war getrübt. Ein Crewmitglied lag krank in der Kajüte. Alle hofften, daß die Beschwerden auf Seekrankheit oder eine leichte Sommergrippe zurückzuführen seien. Dann der Schock: Unter Deck rumort es, man hört das saugende Geräusch einer WC - Pumpe und wenig später taucht Peter kreidebleich in der Plicht auf. Er habe Blut verloren, erklärte er - vor Jahren hätte sich ein aufgebrochenes Zwölffingerdarmgeschwür genau so bemerkbar gemacht.
Der Skipper erkannte den Ernst der Lage und gab den Befehl zum Ablegen. Mit Motorunterstützung trieb er die Yacht bei fünf Beaufort aus raumer Richtung zurück nach SUKOSAN.

Unterwegs verschlimmerte sich der Zustand des Mannes zusehends. Seine Haut war fahl und schweißnaß, er spuckte dunkles, gestocktes Blut. Dazu machte ihm der Seegang schwer zu schaffen. Niemand sprach es aus, doch alle wußten, daß der Segeltörn zu einer Wettfahrt mit dem Tod geworden war.

Nach endlos scheinenden 14 Seemeilen legte die AMORE II in der SAS Marina Zlatka Luka an. Franz Bauer sprang an Land und ersuchte den Hafenmeister die Rettung zu verständigen und die Symptome des Kranken durchzugeben. Man versprach sofort einen Rettungswagen loszuschicken, der den Patienten bei der Ortstafel der wenige Kilometer entfernten Stadt ZADAR übernehmen sollten.

Auf dem Weg von der Kajüte aufs Deck brach Peter bewußtlos zusammen. Die Crewmitglieder hoben ihn über die Reeling und trugen ihn zum Auto des Skippers. Bauer gab Vollgas, unterwegs stoppte er per Lichthupe und Handzeichen eine zufällig entgegenkommende Polizeistreife. Die beiden Beamten schätzten die dramatische Situation richtig ein und geleiteten das österreichische Fahrzeug mit Blaulicht und Folgetonhorn nach Zadar.

Dort wurde der Peter in den Rettungswagen umgeladen, an eine Infusion gehängt und in die Intensivstation des Allgemeinen Krankenhauses gebracht. Telefonisch verständigte man den zuständigen Facharzt, der nach einer Viertelstunde bei dem Schwerkranken eintraf. Er verödete die beiden Zwölffingerdarmgeschwüre des Patienten; die akute Gefahr war damit gebannt.

Dank des perfekten Zusammenwirkens aller Beteiligten - Marinapersonal, Polizei, Rettungsdienst, Ärzteschaft - war Peter, der über zwei Liter Blut verloren hatte, mit dem Leben davon gekommen.

Denkbar knapp, wie ihm die Mediziner in Zadar bestätigten. Zurück in der Heimat konsultierte der wieder Genesene einen Facharzt, der seinen kroatischen Kollegen das beste Zeugnis ausstellte.

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