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Warum zwei Schiffsreisende mit der Eisenbahn fuhren

Abfahrt des Schiffes versäumt
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Weg ist das Schiff (Bild: John Latter)   Großbild klick!
Sie standen im Hafen von Barcelona und sahen einigermaßen verwundert dem Schiff nach, welches bereits abgelegt hatte. An Bord waren ihre Koffer, ihre Pässe. Nur sie fehlten, nur sie erlebten das Ende der Kreuzfahrt nicht mit.

Gebucht hatte das Ehepaar die einwöchige Reise Genua - Sizilien - Tunesien - Spanien - Genua zum Pauschalpreis von 30.800 S. In Barcelona, vorletzter Tag, war am Vormittag Zeit, sich das Zentrum anzusehen.

Die deutsche Reiseleiterin teilte mit, der letzte Shuttlebus fahre um 12.30 Uhr zum Hafen zurück. Dann sei es kein Problem, das Schiff zu erreichen. Kleiner Irrtum. Die Österreicher mußten sich im Konsulat Ersatzpässe beschaffen.

Mit dem Zug rollten sie nach Genua (einmal mußten sie umsteigen), wo es ihnen gelang, ihr Gepäck vom Schiff zu holen. Wie revanchiert sich der Reiseveranstalter für die verhängnisvoll falsche Auskunft?

Zunächst behauptete er im Prozeß - denn die Urlauber hatten, vom Wiener Anwalt Adalbert Laimer vertreten, auf Preisminderung geklagt - die Eheleute hätten die Abfahrt des Schiffes aus eigenem Verschulden versäumt.

Der letzte Tag ist von großer Bedeutung

Als sich diese Behauptung nicht aufrechterhalten ließ, bot man den Touristen 3300 Schilling an. Die sogenannten "Frankfurter Tabelle" ist auch hierzulande Orientierungshilfe, wieviel Prozent bei welchen Reisemängeln durchschnittlich zurückgefordert werden können.

Sie listet auf: Ungeziefer, Wassermangel, Baulärm . . . Sie kennt nicht den Fall, daß jemand "seinem" Schiff hinterherfahren muß. Der geklagte Reiseveranstalter glaubte nun, die Barcelona-Geschichte wäre vergleichbar mit einem "Umzug in ein anderes Hotel und dem damit verbundenen Zeitversäumnis" (= zehn Prozent Minderung).

Der nächste Irrtum. Das Ehepaar, so das Landesgericht Linz als Berufungsinstanz, hat das Recht, ein Drittel des Reisepreises zurückzubekommen. Denn: Der letzte Tag einer Kreuzfahrt ist besonders bedeutend. Zum einen wegen der "üblicherweise eindrucksvollen Abschlußveranstaltungen".

Zum anderen, weil durch eine - sagen wir - weniger angenehme Rückreise der gesamte Urlaubseindruck leidet, und zwar mehr, "als wenn ein inmitten der Reise liegender Reisetag versäumt wird."

Diese Unannehmlichkeiten könne man nicht mit einem unfreiwilligen Hotelwechsel gleichsetzen. Ein Hotelwechsel ist dagegen fast wie Urlaub.

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