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Anlegen an einer Mooring

von Georg Kirschbaum

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Dieses Thema findet in den Theoriebüchern etwas zu wenig Beachtung. Da im westlichen und mittlerweile auch östlichen Mittelmeer, die Mooring zum Standard geworden ist, möchte ich dieses Thema einmal kurz theorethisch betrachten.

Eine Mooring ist eine Kette, die, meist an einer stärkeren quer verlaufenden Kette, fest im Wasser verankert ist. Daran befindet sich eine Belegleine als Vorläufer und meistens daran nochmal eine Pilotleine als Vorläufer. Die Pilotleine ist am Kai belegt, so daß man sie aufnehmen kann.

Hat man einmal an einer Mooring festgemacht, sieht das aus wie in Abbildung 1. (blaue Farbe: unter Wasser)



Die Mooringleine wird belegt indem man auf dem Deck mit der Mooringleine außenbords, zum Vorschiff geht, wobei man sich mit der Mooringleine Hand über Hand nach vorne arbeitet. Zum Schluß wird die Mooringleine auf der Vorschiffsklampe dicht gesetzt und belegt.

Das entscheidende bei diesem Mannöver ist jedoch nicht die Mooringleine. Weil die Mooringleine eine gewisse Sicherheit vermittelt, scheint es verführerisch zu sein, zuerst die Mooringleine zu übernehmen und dann erst das Schiff mit dem Land zu verbinden. Wenn wir nur leichten auflandigen oder Seitenwind haben, passiert, was Abbildung 2 zeigt:

Das Mannöver endet fast zwangsläufig in langen Armen und in den Fendern des Nachbarliegers oder platt (längsseits) am Kai.



Wer so etwas noch nicht selbst gemacht hat und einmal in Natur sehen will, braucht sich nur beim Auscheck auf den Steg zu setzen und zurückkommenden Charterern zuzugucken. Dann müssen die Yachten nämlich an einer bestimmten Mooring anlegen, die nicht immer die einfachste ist. Der folgende Merksatz hilft Plamagen oder Schlimmeres zu vermeiden.

Das Entscheidende beim Mooren ist die luvwärtige Achterleine.

Abbildung 3 zeigt den Grundgedanken des Mannövers:

Die luvwärtige Achterleine ist belegt, hier auf Slip und jederzeit auf der Genuawinsch kontrollierbar. Der Rudergänger dampft in die Achterleine ein und stellt die Yacht vierkant vom Kai weg gegen den Wind an. Dabei führt ein Crewmitglied in aller Ruhe die Mooringleine zum Vorschiff. Wer diesen Grundgedanken einmal verinnerlicht hat, wird sein Schiff so an die Mooring führen, daß es so wie hier dargestellt angelegt werden kann.



Ist der Wind ablandig vom Kai oder Steg, kann man das Mannöver fast beliebig fahren. Eine luvwärtige Achterleine gibt es dann nicht. In diesem Fall ist nur noch darauf zu achten, die eigene Geschwindigkeit zu kontrollieren. Ein Heckfender ist auch hier, wie selbstverständlich, ausgebracht. Hier können bequem erst beide Achterleinen belegt werden. Der Rudergänger dampft in beide Achterleinen ein und dann wird die Mooring belegt.

Für die anderen, und das sind die meisten Fälle, möchte ich den Ablauf kurz beschreiben und zwar deswegen, weil das immer wieder falsch gemacht wird.

Dann sieht der Beobachter, wie jemand versucht, in rekordverdächtiger Geschwindigkeit mit der Mooringleine in den Händen nach vorne zu kommen. Gleichzeitig zerren zwei oder mehr Leute an einer hektisch übergebenen Achterleine. Bis auf den Rudergänger, der nicht mehr viel tuen kann, ist der Rest der Crew damit beschäftigt das Boot abzufendern. - Dieses Mannöver endet so, wie oben gezeigt.

Die richtige Reihenfolge sieht z.B. bei leicht auflandigem Wind so aus:



Zunächst wird rückwärts gegen den Wind angelaufen, und zwar mit soviel Speed, daß der Bug der Yacht gegen den Wind rumkommt. In dieser Skizze ist der Steuerbordnachbar der gefährdete, weniger der Backbordnachbar.

Bemerkung:

Der Wind wird eure Yacht von sich immer so drehen, daß ihr ihn von achtern habt. Wenn ihr mit demn Wind rückwärts fahren wolltet, müßtet ihr die Yacht aktiv in der Balance halten. Das geht zwar auch, aber kompliziert alles unnötigerweise.

Letztlich müßt ihr beim rückwärts Ruder legen in jedem Fall so im Wind sein, wie hier beschrieben. Falls ihr hier den Wind von vorne habt, drückt der euren Bug unweigerlich herum, so daß ihr auf euren Leenachbarn gedrückt werdet.

Natürlich gibt es auch hier wieder eine Schokoladenseite. In der gezeigten Version haben wir die Schokoladenseite, wenn unsere Schraube linksgängig ist. (Warum?)


  1. Der Rudergänger legt hart Steuerbordruder und fährt achteraus bis zum Kai. Wenn er mit Maschine voraus die Yacht aufstoppt, legt er Backbordruder. (Ohne Aufstoppen mit Maschine wird es hier bei etwas mehr Wind kaum gehen.)

  2. Ein Crewmitglied begibt sich auf den Kai und übernimmt die vorbereitete Backbordachterleine und belegt sie am Kai. Ist am Kai ein Poller, so sollte vorher ein Palstek in der Achterleine sein. Einmal um eine Klampe oder durch Ring geht auch, aber dann ist der Helfer nicht frei für die Mooring und es wird ein zweiter benötigt. Die Achterleine ist vorher auf der Yacht belegt und zwar sinnvollerweise auf einer Winsch.

  3. Der Rudergänger dampft in die Achterleine ein und die drückt die Yacht so gegen den Wind. Der Helfer am Kai reicht jetzt die Mooringleine einem Crewmitglied an. Wenn eben möglich, würde ich die hier Steuerbordmooring bevorzugen. Anderenfalls hält ein Crewmitglied die Achterleine und ein anderes versucht sich mit der Mooringleine daran vorbei zu drängen. Das Chaos ist perfekt, wenn ein drittes Crewmitglied im Heckkorb steht um erstmal die Mooringleine anzunehmen. Alles spielt sich auf Backbord ab!



  1. Das Crewmitglied mit der Mooringleine geht nun dieser Hand über Hand die Mooringleine außenbords zum Bug, führt die Mooringleine durch die vordere Lippklampe steuerbords und belegt sie auf der Klampe. Dabei wird die Achterleine über ihre eigentliche Sollänge aufgefiehrt.



  1. Jetzt wird die Achterleine über die Winsch dichtgeholt. Die Mooringleine kommt damit automatisch steif. Im weiteren Verlauf wird die Steuerbordachterleine übergeben und belegt.

Unsere Yacht liegt nun, ohne daß es besonderer Fähigkeit des Rudergängers bedurft hätte, sicher vor Mooring. Entscheidend bei dem ganzen Mannöver ist, sich vorher zu überlegen, wie und wo man fest macht. Mit etwas Glück ergibt sich beim nächsten Törn ja die Möglichkeit, das mal ohne zu enge Verhältnisse zu üben.


Author: Georg Kirschbaum

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