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Die Marine-Story des Monats

Garantiert kein Seemannsgarn ;-))






Als SMS Wacht auf Tiefe ging
Flottenmanöver im Jahre 1901 unter Admiral Koester. Sie finden nördlich der pommerschen Insel Rügen statt. Beide Geschwader fahren in Dwarslinien hintereinander, ein großartiges, ein majestätisches Bild.
SMS Wacht als Wiederholer des 2. Geschwaders stand vorschriftsmäßig hinter dem 2. auf seinem Platz.
Nicht vorschriftsmäßig war dagegen, dass das große Zahnrad der Rudermaschine von der Reparatur auf der Werft in Kiel nicht mehr rechtzeitig eingetroffen war. Es musste deshalb mit dem Handruder gesteuert werden. Diese eingeschränkte Manövrierfähigkeit war dem Kommandanten der Flotte dann auch vorschriftsmäßig gemeldet worden. Ob man auch den Admiral verständigt hatte, ist nicht nachzuweisen. Wer meldet schon gern dem Flottenchef eine Panne? Aber nehmen wir solches an.
Bei dem Signal „1. und 2. Geschwader Glieder wechseln“ hatten auch die beiden Geschwaderwiederholer ihre Positionen vor und hinter der Formation zu tauschen; hierbei mussten sie sich zwischen den Lücken der beiden hindurchdrängen. Während des Übergangs bildeten die Einheiten der Geschwader fast eine Reihe.
Ältere Seeoffiziere werden sich noch daran erinnern, dass Admiral Koester an die Fahr- und Manövrierkunst seiner Kommandanten ausgesucht hohe Ansprüche stellte. Es war eine, von den Kommandanten gar nicht sehr geschätzte Eigenart von ihm, diese überraschend in seemännisch schwierige Lagen zu bringen. Eine solche Überlegung muss ihm dann auch bei den Manövern vor der pommerschen Kreideinsel überkommen sein. Dabei aber muss er nicht an die durch den Handruderbetrieb eingeschränkte Manövrierfähigkeit von SMS Wacht gedacht haben. Jedenfalls gab er den Befehl:
„Wendung acht Strich Backbord!“
Die Männer auf SMS Wacht taten nun nicht das, was möglich gewesen wäre, und Koester möglicherweise auch zu einer Änderung oder Zurücknahme dieses Befehls hätte bewegen können, nämlich durch Signal erneut dem Kommando der Flotte die eingeschränkte Manövrierfähigkeit zu melden. Sie folgten vielmehr dem Befehl mit dem Eifer solcher, die es dennoch schaffen wollen. Der SMS Wacht-Kommandant hatte sofort zwei weitere Rudergänger ans Ruder befohlen, so dass nun vier kräftige Seeleute mit acht kräftigen Armen in die Spaken griffen. Sie taten dies behände und mit viel Eifer. SMS Wacht war jedenfalls noch beängstigend weit vom „Geschwaderwinkel“ entfernt, als sich der Steven von SMS Sachsen in seine Seite bohrte. SMS Sachsen vermochte auch seinerseits keinen Raum mehr zu geben. Die Ramming geschah mit viel Wucht und viel Kraft, so heftig und so schwer, dass sich der Kommandant schnellstens zur Aufgabe seines Schiffes entschloss oder besser: entschließen musste.
Nun, das immer wieder und daher gut exerzierte „Mann über Bord-Manöver“ klappte vorzüglich. Es gelang, die Besatzung vollzählig zu retten.
SMS Wacht aber, der kleine Geschwaderwiederholer, legte sich auf die Seite. Wenige Minuten später war er von der Wasseroberfläche verschwunden.
Während noch einige Torpedoboote die Untergangsstelle absuchten, setzte die Flotte ihre Übungen alsbald in Richtung Danzig fort.
Bald darauf erschien mit weißem Bart und hoher Fahrt das Depeschenboot aus Kiel.
Der Kommandant des Depeschenbootes, Kapitänleutnant Dominik (90), fragte bei einem der Torpedoboote an:
„K. an K. Wo ist Wacht? Habe repariertes Zahnrad ihrer Rudermaschine an Bord. Bin klar zur Abgabe.“ Die Antwort war diese:
„K. an K. Werfen Sie es über Bord. SMS Wacht befindet sich unter Ihnen.“



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