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Die Marine-Story des Monats

Garantiert kein Seemannsgarn ;-))






Sechs Abschüsse
So geschehen 1943:
Er war Ausbilder beim 3. US-Marinefliegerkorps. Ein braver Mann, einer von der Sorte, die noch innerlich strammstanden, wenn das Flaggschiff mit dem Admiral an Bord vorbeifuhr. Major Knolls einziger großer Kummer war, daß er niemals Gelegenheit gehabt hatte, sich am Feind auszuzeichnen. So verbrannte sein Ehrgeiz bei Bodenübungen und an Schulmaschinen. Daß seine Schützlinge zu den besten zählten, die der Marinefliegerei geliefert wurden, Piloten mit sicherer Anwartschaft auf das Metall, das Major Knoll so gerne für die eigene Brust erworben hätte, war nur ein geringer Trost.
“Boys”, pflegte er zu sagen, wenn die angehenden Marineflieger nach den letzten l2-Wochen Ausbildungszeit auf See nochmals 12 Pfund leichter und dazu sauer waren wie in Essigsäure gelegte Gurken, “Boys; je mehr Ihr Eure Ungeduld aufstaut, um so schärfer werdet Ihr sein, wenn ich Euch auf die Japse loslasse Und auch in diesen Worten steckte ein Tropfen Wehmut da über, daß er selbst unten bleiben würde.
Bis jener Tag graute, an dem die japanischen Schiffe urplötzlich auf Fernrohrdistanz aus dem Morgendunst herankamen. Der Ausbildungsträger des 3. Marinekorps war eigentlich gar nicht auf Kampf eingestellt, wenn gleich kriegsmäßig bestückt und im Verband mit einigen kleineren Einsatzeinheiten.
Der Flottenkommandant befahl Gefechtsposition. Am Horizont tauchten die ersten Feindflugzeuge auf. Alle zwölf Maschinen wurden von Bord katapultiert, stiegen dem anfliegenden Gegner entgegen. Knoll verfolgte sie mit gerötetem Gesicht und vor Erregung jagendem Atem. Die ersten Einschläge der japanischen Schiffe ein paar hundert Meter weiter backbord beachtete er nicht. Er hatte nur Augen für die Ereignisse unter den Wolken. Seine Jungen schlugen sich prächtig, obgleich der Gegner zahlenmäßig überlegen war. Da geriet eine der amerikanischen Maschinen ins Trudeln. Doch sie fing sich wieder, kam herunter, setzte zur Landung an. Die Schiffe feuerten aus allen Rohren. Major Knoll nahm es nicht wahr. Die Halteseile griffen. Die Hilfsmannschaft sprang hinzu half dem verwundeten Piloten heraus. Major Knoll war dabei und sah, daß die Maschine intakt war. Die Idee kam blitzartig. Wie mechanisch lief er in seine Kabine warf sich in den Kampfdreß, griff zum Whisky, setzte die Flasche an, trank einen kräftigen Schluck. Und noch eine Fühlte das Feuer in sich. Wurde plötzlich ganz ruhig. Zwei Minuten später stand er vor dem Admiral. “Die Maschine ist heil. Ich könnte sie fliegen”.
“Hauen Sie ab in Teufels Namen”, knurrte der Admiral. Drei Minuten darauf startete Major Knoll. Zwei Minuten danach hatte er die erste japanische Zero-Sen vor sich. Von da an passierte Phantastisches. Major Knolls aufgestaute Sehnsucht nach Bewährung, Erfolg und Auszeichnung entlud sich, beflügelt von einem dreistöckigen Whisky im nüchternen Magen, in einem Feuerwerk fliegerischer Bravourstücke - nicht mehr meßbar mit den üblichen Erfolgswerten und Chancenabwägungen. Er drehte Loopings, flog kopfüber, schlug Schleifen in Winkeln, die unter normalen Umständen seinen Absturz bedeutet hätten, griff tollkühn von unten im Steilflug an, rammte um ein Haar eine der japanischen Rei's, das entsetzte Gesicht des Piloten für einen Moment auf Schwingenbreite vor Augen. Er trieb einen Gegner vor sich her, direkt in die Maschinengewehrgarben eines seiner Zöglinge. Major Knoll tauchte vor einem Angreifer weg, ihm durch eine Kehrtwendung, die nur noch als hysterisch zu bezeichnen war, in den Rücken gelangend und ihm das Leitwerk zerfetzend. Ziemlich schnell hatten die Kameraden die Aktionen des Neuen bemerkt und winkten ihm begeistert zu. Der Gegner, soweit vom Amoklauf des Entfesselten verschont, verlor die Nerven, ergriff in panischer Angst die Flucht - noch beim Abdrehen einen seiner besten Piloten durch eine hinterher gejagte Salve Major Knolls verlierend. Schaukelnd, wedelnd, trudelnd, sich elegant fangend, Steilflüge durch die Wolkendecke mit anschließendem Sturzflug und andere akrobatische Kapriolen fabrizierend, feierte Major Knoll die Eroberung des Himmels. Und als er schließlich landete, fühlte er in seiner Euphonie nichts als die einmalige Größe der Stunde, sah nichts als die unausbleibliche Ehrung, den Medaillensegen auf seine bis dahin so triste Uniformjacke. Der Admiral saß mit dem Rücken zur Tür an seinem Tisch. Major Knoll sah ihn durch einen Schleier. Sein Blick war weiter gerichtet in die Unendlichkeit der Atmosphäre. “Major Knoll vom Einsatz zurück, Sir. Sechs Gegner abgeschossen. Eigene Maschine unbeschädigt, Sir. Die Jungs haben sich prächtig geschlagen, Sir. Hoffe, sie für Auszeichnungen vorschlagen zu dürfen, Sir!”
In diesem Augenblick drehte sich der Admiral langsam um, die schmalen Augen zu einem bösartigen Schlitz verengt, mit hohe Stimme zischend: “Sorry, Sir. Sie gelandet auf falschem Träger!”



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