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Information für Segler:
Ankern mit Landleine

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Udo Hinnerkopf erzählt folgende Geschichte:
"Das klassische Ankermanöver, das meist zur Katastrophe führt, geht folgendermaßen über die Bühne: Yacht läuft ein, Anker fällt, Rudergänger steuert rückwärts gegen den Wind zum Ufer, stoppt kurz davor, ein Mensch in Badehose springt mit der Leine in der Hand (oder um den Bauch gebunden) ins Wasser und schwimmt zum Ufer.
Doch nicht lange! Die Leine, meist nicht schwimmend, geht zu Grund, je größer der Abstand zwischen Schwimmer und Yacht wird. Der zieht und reisst so gut er kann, erreicht endlich den Strand, indessen die Yacht, die gegen den starken Wind nicht mehr rückwärts zu halten ist, seitlich wegdriftet.
Der Mensch am Ufer brülllt: "Mehr Leine!", denn diese ist inzwischen stramm ... aber noch nicht am Baum belegt. An Bord versucht die Mannschaft eine zweite Leine zu finden, die erste ist zu kurz. Mit deutlich überdehntem Arm, das Leinenende verzweifelt haltend, hängt ein weibliches Wesen über dem Heckkorb. Der Mensch am Ufer versucht zur nächstbesten Pinie zu stolpern, zieht, zerrt, humpelt, flucht: "Leine, mehr Leine, ihr Idioten!" schallt es über die Bucht.

Da hat der Mann am Ruder den rettenden Einfall: Er legt den Rückwärtsgang ein, gibt Gas, die Yacht strebt wieder dem Ufer zu, die Leine entspannt sich, der Mann am Ufer umarmt den Baum. Da, ein Schrei! Die Leine flutscht der Dame mit dem überdehnten Arm aus der Hand, direkt in die Schraube. Der Motor macht plopp - aus! Die Yacht treibt, von einer Bö geschoben, erneut ab. Der Mann drüben umarmt noch immer den Baum, doch sein Leinenende rauscht durch den Sand davon. Dies ist der Augenblick für uns, das Dingi klarzumachen und helfend einzugreifen.

Ähnliche Nachmittagsspiele kann man in vielen Buchten an der türkischen Küste beobachten. Die mit dem Dingi ausgebrachte Leine ist eine beliebte Variante des Manövers. Auch sie endet gelegentlich mit Einsatz unsererseits, weil der Rudergänger die Yacht vor ausgelegtem Anker nicht so lange gegen den Wind halten kann, wie der Mann braucht, um die Leine am Baum festzumachen.

Tragisch wird es, wenn kleine Crews (zwei Personen, meist Ehepaare) das Wagnis eingehen, so anzulegen. Eine einsame Frau am Ufer, ein verlorener Mann auf dem abtreibenden Boot, und hinterher Vorwürfe, Tränen und stundenlange Stille, nur manchmal unterbrochen vom Klageruf eines Esels am nahen Ufer."




Es gibt zwei einfache Methoden, die Landleine an Land zu bringen. Beiden ist gemeinsam, dass nicht vom Schiff aus operiert wird, sondern von Land aus:

Methode 1, mit Dinghi: Die ganze Leine mit dem Dinghi an Land rudern, an einem Felsen (nicht an einem Baum!!) festmachen und auslegen, während die Yacht Warteschleifen dreht. Der Anker fällt erst dann, wenn das Dinghi mit der Leine an der Übergabeposition angekommen ist, der Wind hilft von hinten, während das Boot seelenruhig rückwärts auf das wartende Beiboot zusteuert. Ist die Leine am Heck fest, kann die Ankerkette in aller Ruhe durchgeholt werden.

Methode 2 mit Schwimmen und Wurfleine: Hier ist etwas Vorbereitung nötig. Wichtig ist, dass der Schwimmer Schuhe anzieht, die vor Verletzungen an scharfkantigen Felsen schützen. Er geht an Land und wartet auf die Wurfleine. Dann Anker werfen und rückwärts so nahe wie möglich an Land fahren. Wichtig ist jetzt, dass die Wurfleine gut aufgeschossen ist und am Ende mit dem Palstek am Festmacher verbunden ist(!!), sonst funktioniert das nicht!! Besser als ein Palstek wäre eine Kettenschlinge am Ende des Festmachers. Wurfleine an Land werfen. Der Mann an Land holt mit der Wurfleine den Festmacher und legt den Palstek über einen Felsen. Ankerkette straff ziehen, fertig.
Übrigens gibt es sogar Wettbewerbe im Wurfleinenwerfen.
Allerdings muss gesagt werden, dass die zweite Methode etwas mehr Vorbereitung und Routine erfodert.

Die Wurfleine ist eine dünne Leine mit einem Wurfgewicht oder einem Wurfknoten. Sie dient in der Seemannschaft dem Zweck, vom Schiff aus Festmacherleinen an Land zu übergeben, ohne dass das Schiff dichter als nötig und möglich an den Kai oder die Pier heranmanövrieren muss. Die Wurfleine ist mit einem Ende an der Festmacherleine festgeknotet und am anderen Ende mit einer Affenfaust, einem Wurfknoten oder einem kleinen Sandsack beschwert. Bei der deutschen Marine ist das Verwenden der Affenfaust verboten, da es durch die Festigkeit immer wieder zu Unfällen kam.



Dr. Michael Ruhland aus Hannover schreibt:
Zu dem Beitrag Ankern mit Landleine hier noch ein Zusatztipp, der die Arbeit vom Beiboot aus sehr erleichtert:
Da auch bei dem Manöver von Land aus die Landfeste in der Regel im Wasser versinkt und so immer mehr Zug auf das Dinghi wirkt (leider in die falsche Richtung, nämlich rückwärts), helfen wir uns seit vielen Jahren mit folgendem Trick:
Wir nehmen einige Fender mit in's Beiboot und binden diese beim Ausbringen der Landfeste alle 5-10 Meter als Schwimmhilfe an der Leine fest. So lässt sich das Dinghi wesentlich leichter zur Yacht pullen. Außerdem dienen die Fender gleichzeitig als gut sichtbare Markierung für andere Yachten oder Fischerboote, so dass uns keiner über die Landfeste fährt.




Willi Müller aus Bottrop schreibt:
Mein Tipp zur Ergänzung des Mannövers bei kleiner Crew (2 Personen)
Zunächst die Landleine wie von Herrn Ruhland vorgeschlagen an Land festmachen während das „Mutterschiff“ Kreise dreht (vorzusgweise mit Frau am Ruder), dann das Dinghi an der (langen) Landleine zunächst festgemacht lassen und das „Landkommando“ wieder einsammeln. Nun ganz in Ruhe das Ankermannöver mit kompletter Crew fahren und Rückwärts zum Dinghi zurück. Übers Heck (Badeleiter) kann dann der Rudergänger bequem mit einer kurzen Leine, die an Bord belegt ist ins Dinghi übersteigen und zunächst eine Verbindung zwischen Boot und Landleine herstellen um dann wiederum ganz in Ruhe die Endgültige Länge der Landleine und Ankerkette oder –leine einzustellen.
Dieses Vorgehen hat sich bei mir und meiner Lebensgefährtin bewährt weil keine Hektik aufkommt.




Ulrich Baussmann schreibt am 07.09,2009:
Zum Thema "Ankern mit Landleine" habe ich noch folgende Ergänzungen:
1) Das Manöver von Land aus läßt sich einfacher ausführen, wenn man statt einer "Wuhling" mit 40m Festmacher (auch noch schwer dazu) eine Anker(Gurtband)rolle (L= 50 oder gar 100m) im Dinghi verwendet, die sich beim Zurückrudern zum Schiff viel einfacher abwickeln läßt. Hier haben wir die Rolle, die am Heckkorb hing, ausgehängt und im Dinghi zum Land verbracht. Die Problematik der schweren sinkenden Leine, die das Schiff wieder zurück zum Land zieht, besteht ebenfalls nicht. Idealerweise verwendet man für den Teil, der um den Felsen liegt, ein altes Tau oder gar eine Kette. Der Gurt wird dann über die Winsch geführt dichtgeholt!
Nachteil: kein Charterschiff hat so ein Equipment, d.h. es ist eigentlich nur etwas für Eigneryachten.

2) Schwimmen: Ich habe das Manöver schon ohne Wurfleine gesehen, wobei ich meine, der Schwimmer hatte gleich das lose Ende des Festmachers umgebunden als er vom Schiff ins Wasser sprang. Ich war erstaunt, wie reibungslos dieses Manöver ging. Allerdings war es ein Manöver, bei dem die Yacht recht nahe an den Fels kam, d.h. die Schwimmdistanz somit gering war. Darüber hinaus muss der Schwimmer auch hier natürlich Schuhe anhaben und sicher und schnell beim/am Knoten sein.



Yacht vor Anker mit Landleinen  Großbild klick!










Wurfleine   Großbild klick!


















Affenfaust als Gewicht für Wurfleine   Großbild klick!













Wettbewerb Wurfleine werfen  Großbild klick!
Weblinks:
Wurfleine in Wikipedia
Affenfaust in Wikipedia


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