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Großsegler:
Der Untergang der "Niobe"

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Das Segelschulschiff Niobe war ein Schulschiff der Reichsmarine.
Der im Jahre 1913 auf der dänischen Werft Frederikshavn's Værft og Flydedok (Frederikshavner Werft und Schwimmdock) unter der Baunummer 143 vom Stapel gelaufene Viermastgaffelschoner trug ursprünglich den Namen Morten Jensen und stand zunächst im Dienst der Rederiet (Reederei) F. L. Knakkegaard in Nykøbing. 1916 kam das Schiff nach Norwegen und wurde in Tyholm umbenannt.

Während eines Transportes von Grubenholz nach England wurde der Schoner am 21. November desselben Jahres, im Rahmen des Ersten Weltkrieges, vom deutschen Unterseeboot UB 41 aufgebracht und anschließend prisengerichtlich eingezogen. In der Folge hieß das Schiff Aldebaran, Niobe und Schwalbe. Zunächst wurde das Schiff als Hilfsfeuerschiff eingesetzt. 1921 ging es an die Marine. Nach einer Zwischenstation als Charterschiff einer Filmgesellschaft wurde es 1922 wieder von der deutschen Reichsmarine übernommen und zu einer dreimastigen Jackass-Bark umgebaut.

Wieder auf den Namen Niobe getauft wurde das Schiff anschließend als Segelschulschiff eingesetzt. Ein kleiner Hilfsmotor erlaubte auch den Besuch von Häfen mit ungünstigen Fahrwasserverhältnissen. Erster Kommandant von März 1921 bis September 1921 war Kapitänleutnant Felix Graf von Luckner. Zur Mannschaft zählten außerdem vier Ausbildungs- und Wachoffiziere, ein Marinestabsarzt, ein Marineoberzahlmeister sowie 25 Unteroffiziere und ältere Mannschaften. Jährlich durchliefen rund 350 Teilnehmer die zweieinhalb- bis dreieinhalb Monate dauernden Unteroffiziersanwärter- und Offiziersanwärterlehrgänge auf dem Schiff. Die Reisen der Niobe führten gewöhnlich in die Nord- und Ostsee, später auch nach Spanien und zu skandinavischen Häfen.

Sie war der Stolz der Reichsmarine und wurde in den Jahren von 1923 bis 1932 - ähnlich wie heute die "Gorch Fock" - zu Ausbildungszwecken genutzt. Die Katastrophe führte in letzter Konsequenz zum Bau eines neuen Segelschulschiffs, der "Gorch Fock" (I) und zu größeren Ballast als Sicherheitsreserve.

Der Hergang ihres jähen Endes und der nasse Tod von 69 der insgesamt 109 Besatzungsmitglieder ist auf Grund von Aussagen der Überlebenden in den Annalen festgeschrieben.
Die "Niobe" befand sich unter vollen Segeln auf einer Ausbildungsfahrt von Kiel aus durch den Fehmarnbelt Richtung Swinemünde, heißt es in der Chronik der "Crew 32", der Vereinigung der Überlebenden. Das Wetter war gut und leicht. An Bord befanden sich die Offiziersanwärter des Jahrgangs 1932. Unter dem erfahrenen Kommandanten , Kapitänleutnant Heinrich Ruhfus, den Ausbildungsoffizieren und den Unteroffiziersausbildern wurde ein hartes Training absolviert.

Gegen 14 Uhr passierte das Schiff den Fehmarnbelt, beobachtet wurde das Manöver vom Personal des Feuerschiffs und der Besatzung des Frachters "Theresia Ruß". Zunächst schien alles geordnet an Bord. Es wehte ein frischer Südwestwind mit Stärken von 3 bis 4, um 13.00 Uhr passierte NIOBE das Feuerschiff Fehmarnbelt an Steuerbord. Im Südwesten hatte sich inzwischen eine bedrohlich aussehende Gewitterfront gebildet, die den Kapitän veranlaßte, Ölzeug für die an Deck befindliche Steuerbordwache auszugeben und die oberen Segel wegzunehmen. Die Backbordwache befand sich zum Unterricht unter Deck. Es begann zu regnen. Um 14.27 Uhr fiel plötzlich eine an Stärke schnell zunehmende, fast senkrechte Böe ein, das Schiff krängte sofort auf 40 bis 50 Grad nach Backbord, die Ruderwirkung setzte aus.

In Sekundenschnelle legt sich das Schiff auf etwa 50 Grad hart über. Das sofort hart Steuerbord gelegte Ruder hat wegen der Krängung keine Wirkung mehr. Der von oben einfallende Sturm drückt auf die große Segelfläche.

In weniger als 30 Sekunden liegt das Schiff wie eine gekenterte Jolle flach im Wasser. Selbst durch hochliegende Bulleyes und Oberlichter dringt die See im dicken Schwall ins Schiff ein. Wegen des schönen Wetters waren sie durch die Schiffsführung geöffnet worden, ein fataler Fehler, wie sich jetzt herausstellte.

In weniger als vier Minuten ist das stolze Schiff gesunken. Wer sich retten konnte, hält sich an allem, was im Wasser schwimmt, fest. Bis Hilfe vom nahen Feuerschiff und der "Theresia Ruß" naht. 40 Mann überleben, 69 werden mit dem Schiff in die Tiefe gezogen und ertrinken.

Am 21. August 1932 wurde das Schiff gehoben, nach Kiel geschleppt und eingehend untersucht. Die Toten wurden von Bord geholt, in Kiel auf dem Nordfriedhof beigesetzt oder in ihre Heimatorte überführt. 19 Seeleute blieben auf See. Am 18. September 1933 wurde das Wrack endgültig durch einen Torpedo des Torpedobootes Jaguar nordöstlich der Stolpe-Bank versenkt. Der Großteil der Reichsmarine-Flotte war anwesend.

33 von ihnen werden später auf dem Ehrenfriedhof der Garnison Kiel in einem feierlichen Staatsakt beigesetzt, 17 werden in die Heimat überführt und 19 hat die See behalten: Sie blieben für immer verschollen.

Noch heute, 70 Jahre danach, stellt sich die Frage "War die Tragödie abzuwenden?" Die "Niobe" galt als sicher, war jedoch nach Ansicht von Experten völlig übertakelt. Oberlichter, Bullaugen, Lüftungschächte und Niedergänge hätten auch bei schönem Wetter aus Sicherheitsgründen verschlossen sein müssen. Ein Augenzeuge beanstandete gar, dass die Wassertanks, die das Schiff im Gleichgewicht halten sollten, nicht geflutet gewesen seien.

Gleichwohl sprach am 3. November 1932 ein Kriegsgericht der Marine in Kiel den Kommandanten Heinrich Ruhfus vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei und rehabilitierte den Kapitänleutant. Höhere Gewalt habe zu dem Unglück geführt, heißt es in dem Urteilsspruch, den Kommandanten treffe keine Schuld.

An der Nordküste (Gammendorfer Strand) der Insel Fehmarn befindet sich in Sichtweite der Unglücksstelle das Niobe-Denkmal, das an den Untergang der Niobe erinnert. In jedem Jahr wird dort am Tag des Untergangs ein Kranz niedergelegt.


Niobe unter vollen Segeln
(Bild Deutsches Bundesarchiv) Großbild klick!














Niobe-Gedenkstein (Bild MrsMyerDE)   Großbild klick!



















Kapitänleutnant Heinrich Ruhfus (Bild Egonist)   Großbild klick!
























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Niobe-Denkmal bei Gammendorf auf Fehmarn
(Bild MrsMyerDE)   Großbild klick!




Weblinks:
Niobe in Wikipedia
Segelschiffstypen in Wikipedia
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Schlagwörter: Niobe, 1913, ex Morten Jensen, ex Tyholm, Heinrich Ruhfus, Viermastgaffelschoner, Untergang 1932, Segelschulschiff, Geschichte, technische Daten, Bilder, großsegler, segelschiffe

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