Das Segelschulschiff 'Großherzogin Elisabeth
    EUROPÄISCHES SEGEL-INFORMATIONSSYSTEM

    Großsegler:
    Das Vollschiff 'Großherzogin Elisabeth'






    Presseartikel aus der "Schiffbau", Zeitschrift für die gesamte Industrie auf schiffbautechnischen und verwandten Gebieten vom 8. Februar 1902

    Die für uns ungewöhnliche Rechtschreibung basiert auf der der damals üblichen Schreibweise.


    Das von der Firma Joh. C. Tecklenborg A.G., Schiffswerft und Maschinenfabrik in Bremerhafen-Geestemünde für den unter dem Protektorate Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Oldenburg stehenden Deutschen Schulschiffverein in Oldenburg erbaute Schulschiff "Großherzogin Elisabeth" hat folgende Abmessungen:

    Länge über Heck und Gallion 77,0 m,
    Länge über Steven in der Wasserlinie 65,68 m,
    Grösste Breite über Aussenhaut 11,96 m,
    Tiefe von Oberkante Kiel bis Oberdeck mitschiffs 7,555 m.

    Der Bau erfolgte nach den von der Werft gelieferten Plänen , in Gemäßheit einer zwischen der Baukommision und der Werft vereinbarten Bauvorschrift, welche hinsichtlich der Materialstärken die Erfordernisse der Vorschriften des Germanischen Lloyd für die höchste Klasse um ein bedeutendes übertraf. Schiffskörper, Masten Raaen sind aus deutschem Siemens-Martin-Stahl hergestellt, Decks-Einrichtungen etc. sind aus Teakholz, Oregonpine, und Pichpine.
    Das Schiff besitzt zwei in ganzerLänge durchlaufende Decks, von denen das obere aus 9 cm Oregonpine, das unten aus 7.5 cm dicken Pitchpine hergestellt ist; ausserdem ist in der zweiten und vierten Abteilung ein Orlopdeck vorhanden. An Aufbauten ist eine 24,5 m lange Campagne und ein Back von 12 m Länge vorhanden. Fünf bis zum Oberdeck hinaufreichende Querschotte teilen das Schiff in 6 wasserdichte Abteilungen. Die Zahl und Lage dieser Schotte ist derart gewählt, dass selbst nach Volllaufen einer der mittleren oder zweier Endabteilungen das Schiff noch genügende Schwimmfähigkeit besitzt.

    In der ersten (vordersten) Abteilung befinden sich auf dem Zwischendeck Kabelgatt und verschiedene Vorratsräume für den Zimmermann und den Bootsmann, im Unterraum die Kettenkasten. Die zweite Abteilung enthält im Zwischendeck zwei gesonderte Logis für je 6 Matrosen, sowie 4 Kammern für 12 Unteroffiziere und Werkstätten.
    Das Orlopdeck und der Unterraum in dieser Abteilung dienen zur Unterbringung von Schiffsvorräten. Im Zwischendeck der dritten und vierten Abteilung sind die Wohnräume der Schiffsjungen und eines Teils der Kadetten untergebracht. Im ganzen ist hier Raum für 200 Personen vorhanden und alle zweckentsprechenden Einrichtungen für Unterbringung derselben, wie auf einem erstklassigen Schulschiff üblich, sind vorgesehen. Jeder Junge hat sein Spint zum Unterbringen seiner Sachen. An Stelle der Kojen treten Hängematten, welche bei Tage in grossen gleichmässig verteilten Schränken verstaut werden, Backen und Banken etc. sind, wie auf den Schiffen der Kaiserlichen Marine, eingerichtet und können nach Bedarf unter dem Oberdeck aufgehängt werden.
    Jede Abteilung ist mit drei Treppen nach dem Oberdeck ausgestattet, wodurch der Verkehr wesentlich erleichtert wird. Im Unterraum der dritten Abteilung ist ein cylindrischer Dampfkessel untergebracht. Derselbe hat 20 qm Heizfläche, arbeitet mit 6 Atmosphären Überdruck und dient zur Erwärmung aller Wohnräume, zum Betriebe der Dampfpumpen und zum Erzeugen von Trinkwasser mittels eines in derselben Abteilung untergebrachten Kondensier- und Destillierapparates von 5000 l täglicher Leistung. Zu seiten des Kessels liegen Kohlenbunker von 50 t Gehalt.
    Der Proviantraum, in der vierten Abteilung untergebracht, ist auf dem Orlopdeck gelegen und enthält die einzelnen Kammern für den Schiffsproviant sowohl als für die Ausrüstungsgegenstände der Schiffsjungen und Besatzung. 10 Frischwassertanks, teils fest eingebaut, teils als separate Tanks in der dritten und vierten Abteilung untergebracht, enthalten zusammen 100.000 l Trinkwasser und sind mit den erforderlichen Pumpen etc. ausgestattet, so dass jeder für sich entleert bzw. gefüllt werden kann.

    Die Wohnräume für die Offiziere liegen auf dem Zwischendeck in der fünften Abteilung. Sie bestehen aus einem grossen Messraum in geschmackvoller Ausstattung sowie aus 7 Wohnzimmern und einer Pantry.
    Der Raum unterhalb dieser Einrichtung dient zur Aufnahme von Proviant in Fässern.

    Die hintersten (sechste) Abteilung enthält im Zwischendeck die Segelkammern und ist mit Gartings, Schränken, Borten etc. zweckentsprechend ausgestattet.
    Die Räume für den Kapitän liegen unter der Campagne; sie besteht aus einem großen Salon in geschmackvoller Ausstattung, dessen Hauptschmuck ein großes Ölgemälde der hohen Patin, Ihrer Königlichen Majestät, der Großherzogin Elisabeth von Oldenburg bildet. An den Salon reihen sich an Steuerbordseite die Wohnzimmer des Kommandanten, das Arbeitszimmer, Schlafzimmer und das Badezimmer.

    Gegenüberliegend befinden sich an Backbord zwei Zimmer für Passagiere und ein Pantry, in der Mitte des Schiffes noch ein Badezimmer für die Offiziere. An diese Wohnräume schließt sich nach vorn das Lazareth, bestehend aus zwei getrennten Räumen, mit dazwischenliegender Apotheke.

    Den vorderen Raum unter der Campagne nimmt der Schulraum für die Kadetten ein, welcher mit Schränken, Tischen und Bänken ausgestattet ist und auch gleichzeitig als Schlafraum für 30 Kadetten dienen kann.
    Ein geräumiges Kartenzimmer ist in einem Teakhause auf der Campagne erbaut. Dasselbe enthält noch ein zweites Arbeitszimmer für den Kommandanten, sowie das Treppenhaus.
    Die Küche befindet sich in einem grossen Stahldeckhause hinter dem Fockmast und ist mit zwei grossen Herden, Backofen und allen modernen Wirschaftsutensilien vollständig ausgerüstet.
    Der vordere Teil des Deckhauses dient als Niedergang ins Zwischendeck. Unter der Back liegen in zwei Seitenhäusern die für den Besatz erforderlich Waschhäuser mit Douchen, sowie Wasserklosets, welche von einem auf dem Kombüsenhause aufgestellten Tank gespült werden. Zwischen den Seitenhäusern steht auf dem Hauptdeck das Ankerspill, welches durch ein auf der Back befindliches Gangsspill getrieben wird. Zum Verholen des Schiffes sind zwei weitere Gangsspille auf der Campagne aufgestellt. Das Ruder ist als Einplattenruder aus Stahlguss hergestellt und besteht aus zwei miteinander gekuppelten Teilen.

    Ein Schraubensteuerapparat steht direkt über dem Ruder auf der Campagne, während ein zweiter Handsteuerapparat mit zwei Teakrädern ausgestattet vor dem Kreuzmast aufgestellt und mit dem Ruderquadranten durch eine Steuerung verbunden ist. An Booten besitzt das Schulschiff 8 Stück, nämlich:
    Zwei grosse Kutter von je 9m Länge auf dem Oberdeck hinter dem Kombüsenhause; in einem derselben steht ein Dingi von 3,6 m Länge,
    Zwei Kutter von je 8m Länge sind auf dem Bootsgalgen zwischen der Takelage des Grossmastes vor der Campagne aufgestellt, während ein Kutter von 7,5 m und deinem Gig von 8,0 m Länge auf der Campagne vor der Kreuzmast-Takelage in Davits hängen,
    Eine Jolle 5,5 m lang, hängt hinter dem Heck.
    Für alle Boote, mit Ausnahme des Dingi, sind Bootsdavits vorgesehen, so dass sie im Hafen gleichzeitig zum Gebrauch fertig ausgeschwungen hängen können. Ausserdem sind die bei der Marine üblichen Backspieren beim Fockmast angebracht.

    Das Schiff ist als dreimastiges Vollschiff mit losen Mars- und Bramstengen getakelt.
    Es hat doppelte Marsraaen und einfache Bramraaen.
    Bei Abmessung der Takelage wurde Rücksicht auf die Bedienung derselben durch die Jungen genommen und alles in denkbar vollkommener und praktischer Weise ausgeführt. Das Gesamtareal der Segel beträgt 2060 qm. Sämtliches stehende Gut besteht aus dem besten Westfälischen Stahldraht, während das laufende Gut teils aus Manilla, teils aus besonders biegsamen westfälischem Stahldraht hergestellt ist.. Die Blöcke, aus Eisen und besten zähen Eschenholz gefertigt, besitzen Patenscheiben oder, soweit Stahltaue über dieselben laufen, tiefgehöhlte Metallscheiben.

    Das Deplacement des vollständig ausgerüsteten Schiffes beträgt 1630 t, der entsprechende Tiefgang in Seewasser ist im Mittel 5,05 m. Dieses entspricht einem Deplacements-Coeficienten. von 0,427. Der in den verschiedenen Unterräumen verstaute feste Ballast hat ein Gewicht von 530 t. Vermessen ist das Schiff zu 1260 t Brutto-Register.

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