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Großsegler:
Die 'Viking' / Dänemark

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Letztes Update 01/2023
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Die Viking ist eine stählerne Viermastbark, die 1906 als Segelschulschiff für die AS »Den Danske Handelsflaadens« Skoleskib for Befalningsmænd (Die Dänische Handelsmarine - Schulschiff für Offiziere AG) gebaut und am 19. Juli 1907 in Dienst gestellt wurde. Sie liegt heute als Museums- und Restaurantschiff im Hafen von Göteborg, Schweden und ist der größte je in Skandinavien gebaute Windjammer.

Der Windjammer mit einem Stahlrumpf aus verschweißten Platten wurde als Dreiinselschiff mit überlanger Poop bis direkt an die Mittschiffsbrücke als Schulschiffbau konzipiert, hat also nur auf dem Vorschiff ein offenes Hauptdeck. Sie führte ein modernes Standardrigg mit doppelten Mars- und Bramrahen, dazu Royalrahen, den Besanmast als Pfahlmast mit einer Gaffel. Wie die große Preußen und die Viermastbark Lawhill wurde sie an jedem Rahmast mit "Jarvis Patent-Brasswinden" (nach dem schottischen Kapitän John Charles Barron Jarvis (1857-1935), patentiert seit 1890) ausgerüstet. Die Viermastbark war mit 2.959 BRT vermessen und konnte bis 4.100 t / 4.035 ts (1 ts (Standard-Tonne) = 1,01605 t) Fracht aufnehmen, dazu bis zu 60 Mann Auszubildende. Der Rumpf war stets weiß gestrichen, besaß ein rotes Unterwasserschiff mit roten Wasserpass, manche älteren Fotos zeigen sie mit grünem Wasserpass. Sie war ein sehr schnelles und auch heute noch sehr schönes Schiff. Bekannt wurde sie in den Welthäfen besonders während den Weizenfahrten. Unter der weißen Erikson-Flagge mit schwarzem "GE" wurden für zusätzliche Passagiere 32 Kabinen eingebaut. Ihr höchstes Etmal betrug 372 Seemeilen im Jahre 1909.

Der Werdegang des Schiffes, das am 1. Dezember 1906 von Kronprinzessin Alexandra vor tausenden von Zuschauern als nationalem Ereignis getauft wurde, begann gleich nach dem Stapellauf mit einer Beinahe-Katastrophe. Die Viermastbark wurde mit komplettem Rigg vom Helgen gelassen und kippte, da rank und noch ohne gefüllte Ballasttanks, am Ausrüstungskai um (18. März 1907). Da das Schiff quasi mit den Rahen auf dem Kai aufgestützt liegen blieb, konnte es durch vorsichtiges Abnehmen einiger Rahen wieder aufgerichtet werden. Im Februar 1907 war sie segeltüchtig und verließ die Bauwerft, es dauerte aber noch bis zum 19. Juli, bid es unter Schlepp in Ballast Kopenhagen Kurs Hamburg verließ, um dort eine Kohlenladung aufzunehmen.
Nach insgesamt 23jähriger Fahrt unter dem Danebrog und dem Kommando von Kapitän Niels H. Clausen kaufte sie im Sommer 1929 der bekannte finnische Reeder Gustaf Erikson mit Sitz auf den Alandinseln für 6.500 Pfund Sterling, der sie im Weizenhandel nach Australien in Fahrt brachte. Der berühmte Segelkapitän Karl Reuben de Cloux übernahm als erster den Großsegler unter der Erikson-Flagge. Seit Juli 1939 wurde der Segler in Mariehamn aufgelegt.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie in Skandinavien in verschiedene sichere, meist schwedische - Häfen, 1944 nach Stockholm als Getreidespeicher und zuletzt im Dezember 1944 nach Åbo mit einer Weizenladung verlegt.
Nach dem Krieg machte sie 1946-1948 noch einige Fahrten mit Holz und eine Weizenfahrt nach Australien mit Passagieren zusammen mit der Passat unter der Erikson-Flagge. Nach London (146 Tage) als letztem Anlaufhafen zurückgekehrt wurde sie nach Antwerpen verholt und lag dort seit September 1948 zwei Jahre auf.
Seit 1949 wurde sie seitens der Reederei Erikson zum Verkauf angeboten, da Sven Erikson, der Sohn Gustaf Erikson, wegen der Umstellung auf Dampf- und Dieselschiffe alle Segler abstieß. 1950 verholte sie nach Rotterdam und nahm dort an der Reichsseefahrtausstellung 1950 teil. Als Spitzenattraktion wurde sie dort von mehr als 51.800 Menschen in elf Wochen vom 15. Juni bis zum 31. August 1950 besucht. Da zunächst kein Käufer in Sicht war, drohte das Ende in einer Abwrackwerft.
Währenddessen suchte Schweden ein geeignetes großes Segelschiff als Behausung für verschiedene Schifffahrtseinrichtungen. Eine 1944 gegründete Vereinigung, Das Haus der Seefahrt (schwed. Sjöfartens Hus), hatte die Aufgabe übernommen, alle Schifffahrtsorganisationen in einem geeigneten Gebäude unterzubringen, was schließlich in der Überlegung endete, dafür ein Schiff zu nehmen.
Die Viking kam ins Gespräch, Geldmittel wurden aufgenommen, so dass das Schiff für SK 261.000,00 Ende 1950 (nach anderen Quellen der 26. Januar 1951) erworben werden konnte. Vor dem Abwracken durch die schwedische Krone bewahrt, wurde die Viking im Mai 1951 nach Göteborg in Marsch gesetzt, wo sie am 2. Juni 1951 im Hafen von Göteborg vertäut wurde. Am 10. Mai 1951 kaufte sie Olof Traung (Leiter des Seefahrtmuseums in Göteborg) und veräußerte sie fünf Monate später an die Stadt Göteborg.

Am 11. Oktober 1951 beschloss die Stadt Göteborg, die Viking für SK 315.000 als Internatsschule (für ca. 130 Schüler) zu erwerben. Das Schiff unterstand nun der Schulverwaltung, eine Seemannschule (Seefahrts- und Kochschule) wurde an Bord der Viking zur Ausbildung von Seeleuten und Schiffsköchen durch Prinz Bertil von Schweden, einem Onkel des heutigen Königs Karl XVI. Gustav eingerichtet und am 17. September 1957 seiner Bestimmung übergeben.
Später kam ein Restaurantleitungs- und Touristikkurs hinzu. Ende der 1970er Jahre waren 300 Studenten angemeldet. Zwischenzeitlich wurde das Schiff kurzzeitig im Juli 1960 an den Anleger der Göteborger Königlichen Segelgesellschaft (Göteborgs Kungliga Segel Sällskap) anlässlich deren 100jährigem Jubiläum verlegt. 1982 erfolgte der Eintrag ins schwedische Schiffsregister.
Am 1. Januar 1993 ging das Schiff zum Symbolpreis einer Schwedenkrone in den Besitz der Ausbildungsverwaltung von Göteborg über und wurde an den Gullbergskai nahe dem Lilla-Bommen-Platz (schwed. Lilla Bommens Torg), einem Gasthafen, verlegt. 1994 erfolgte bis Dezember für SK 48.000.000,00 eine notwendige umfassende Aufrüstung und Umbau auf der Gotenius Werft, Göteborg, mit einer Neueinweihung im Februar 1995.
Seit dem 1. Mai 1998 wird das Schiff von der "Liseberg Restaurant AB" (AB = Aktiebolag = AG) geleitet und ist Hotel, Restaurant und mietbares Konferenzzentrum. Es ist in Göteborg unter der Bezeichnung Barken Viking ("Die Bark Viking") bekannt. Eine Wiederinfahrtsetzung ist nahezu ausgeschlossen, da sie keine Maschine besitzt und der Großmast höher ist als eine sie vom offenen Meer trennende Brücke.



Weblinks:
Die Viking in Wikipedia
Medien in der Kategorie Viking
Segelschiffstypen in Wikipedia

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Schlagwörter: Viking, 1906, Viermastbark, Dänemark, Segelschulschiff, Großsegler, Segelschiffe, technische Daten, Geschichte, Bilder, Liseberg Restaurant AB
Viking auf See Viking auf See (aufgenommen zwischen 1906 und 1929)
(Bild Botaurus)   Großbild klick!
Die 'Viking an ihrem Liegeplatz in Göteborg Die 'Viking an ihrem Liegeplatz in Göteborg
(Bild Martin Olsson)  Großbild klick!
Bug der 'Viking' Bug der 'Viking' (Bild Nol Aders)  Großbild klick!
Bugspriet der 'Viking' Bugspriet der 'Viking'
(Bild Nol Aders)  Großbild klick!
Heck der 'Viking' Heck der 'Viking' (Bild pütt)  Großbild klick!
Vordeck der 'Viking' Vordeck der 'Viking'
(Bild: Nol Aders) Großbild klick!
Deck der 'Viking' Deck der 'Viking' (Bild Nol Aders)  Großbild klick!