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Großsegler:
Die 'Gorch Fock I'

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Die Gorch Fock I ist ein 1933 gebautes, nach dem Schriftsteller Gorch Fock benanntes Segelschulschiff. Es fuhr zwischenzeitlich unter dem Namen SSS Tovarishch (Towarischtsch) und liegt jetzt in Stralsund. Weitgehend baugleich ist das 1958 gebaute gleichnamige Segelschulschiff der Deutschen Marine Gorch Fock. Zur Unterscheidung der Schiffe werden gelegentlich in Klammern die Baujahre, oder auch in Klammern eine 1 oder 2 angehängt, die aber nicht zum Schiffsnamen gehören.

Auftraggeber war die deutsche Reichsmarine, die einen Ersatz für das am 26. Juli 1932 durch eine Gewitterböe gekenterte Segelschulschiff Niobe benötigte. Unter der Nummer 495 wurde der Bau am 2. Dezember 1932 bei Blohm & Voss in Auftrag gegeben. Der Flottenbund Deutscher Frauen und der Deutsche Flottenverein hatten eine „Volksspende Niobe“ angeregt, die für den Bau verwendet wurde.

Die Bauzeit betrug 100 Tage. Am 3. Mai 1933 lief das Schiff vom Stapel und wurde auf den Namen des Hamburger Seeschifffahrtsdichters Gorch Fock getauft. Taufpatin war die Vorsitzende des Flottenbundes Deutscher Frauen Marie Fröhlich, die Taufrede hielt der seinerzeitige Chef der Marineleitung Admiral Erich Raeder.

Am 27. Juni 1933 wurde die Gorch Fock in Dienst gestellt. Erster Kommandant war Kapitän zur See Raul Mewes. Neun Offiziere und 56 Unteroffiziere/ Mannschaften bildeten die Stammbesatzung. Das Schiff bot Platz für 198 Seekadetten. Diverse Ausbildungsfahrten führten das Schiff auch ins Ausland. Eine Abordnung der Gorch Fock nahm u. a. am 13. August 1934 an der Gedenkfeier für die im November 1917 gefallene deutsche U-Boot-Besatzung von UC 57 teil. Auf der finnischen Insel Hamnskär fand dazu eine Feier mit Enthüllung eines Gedenksteines statt.

Im März 1935 übernahm Korvettenkapitän August Thiele das Kommando. Am 2. Mai 1935 wurde die Reichsmarine in Kriegsmarine umbenannt, und ab 7. November 1935 fuhr die Gorch Fock unter der neuen Reichskriegsflagge. Heimathafen wurde Stralsund. Im Dezember 1936 wechselte die Schiffsführung zu Korvettenkapitän Bernhard Rogge, im März 1938 zu Fregattenkapitän Otto Kähler, der das Segelschulschiff bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 führte.

Seit 1939 wurden die Gorch Fock und ihre beiden Schwesterschiffe Horst Wessel (heute: 'Eagle') und Albert Leo Schlageter (heute: 'Sagres') vor allem als stationäre Wohnschiffe und nur noch wechselnd als Ausbildungsschiffe genutzt. So lag die Gorch Fock 1942 in Swinemünde und im April 1944 in Kiel als Wohnschiff. Am 24. April 1944 wurde die Gorch Fock von Kiel im Schlepp zur Insel Rügen überführt. Vor Lauterbach (Rügen) wurde der Anker geworfen. Kommandant des Schiffes, auf dem nun wieder die Ausbildung begonnen wurde, war Kapitänleutnant Wilhelm Kahle. Das Schiff unterstand dem 1. Schiffstammregiment in Stralsund. Die beiden Schwesterschiffe befuhren zu Ausbildungszwecken die Ostsee und den Greifswalder Bodden. Am 1. Oktober 1944 wurde die Gorch Fock in den Stralsunder Hafen verholt; wegen der schlechten Heizmöglichkeiten wurde das Schiff zuerst von einem Dampfprahm und später von einer Lokomotive beheizt.

Im Frühjahr 1945 näherten sich die Truppen der Sowjetarmee Stralsund. Die Bark wurde am 9. März 1945 aus dem Hafen zu einem Liegeplatz vor der Halbinsel Drigge geschleppt. Ungeklärt ist bis heute, warum das Schiff nicht zur Verlegung von Soldaten in Richtung Westen eingesetzt wurde.

Am 27. April 1945 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und teilweise abgetakelt. Die Ausrüstung wurde im Bootsschuppen auf dem Dänholm eingelagert. An Bord des Schiffes blieb nur eine kleine Mannschaft unter Führung von Oberbootsmannsmaat Karl Köhnke. Wahrscheinlich auf einer Lagebesprechung am 29. April 1945, auf der das Näherkommen der Roten Armee und chaotische Zustände in Stralsund und auf allen Zufahrtsstraßen festgestellt wurden, beschloss man die Versenkung der Gorch Fock, um sie nicht der Sowjetarmee zu überlassen. Bereits am 30. April 1945 stand eine Vorausabteilung der Sowjetarmee vor Devin, in Sichtweite der Gorch Fock. Gegen 12:30 Uhr dieses Tages erfolgte ein Beschuss durch die auf Höhe Devin stehenden sowjetischen Panzer. Die Gorch Fock erhielt während des 45-minütigen Beschusses drei Granattreffer, wobei Takelage und Rumpf leicht beschädigt wurden. Von deutscher Seite aus war am Morgen desselben Tages Sprengstoff an Bord gebracht worden. Dieser wurde mittels Zündschnüren gezündet, und die Versenkung erfolgte um 14 Uhr.



Im Jahr 2003 wurde das Schiff vom Verein Tall-Ship Friends gekauft, der das Liegeplatzangebot der Stadt Stralsund angenommen hatte. Nach vierjährigen Reparaturarbeiten in Wilhelmshaven wurde sie dann 2003 mit dem Dockschiff Condock V nach Stralsund überführt, in der Volkswerft überholt und am 29. November 2003 im Beisein eines Enkels des Namensgebers und tausender Stralsunder wieder auf ihren alten Namen getauft. Ob die alte Dame allerdings wieder in See stechen oder stationär im Hafen (an der sog. Ballastkiste) bleiben wird, ist noch unklar. Neben dem Finanzbedarf für die Restaurierung besteht das Hauptproblem darin, dass die Gorch Fock I aufgrund derzeitiger Rechtslage nicht unter Traditionsschiff-Verordnung wieder in Dienst gestellt werden kann, aufgrund ihrer Länge von deutlich mehr als 55 m, sondern nur als Schiff nach regulären IMO-Bedingungen. Das wiederum hat erhebliche finanzielle Konsequenzen, die einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb in Frage stellen.

Der Eignerverein Tall-Ship Friends geht von einem finanziellen Bedarf von mehreren Millionen Euro aus, ist aber zuversichtlich, dieses Geld durch Spenden und Eintrittsgelder zusammenzubringen. Im Jahr 2005 besuchten etwa 37.000 Personen das Schiff.

Im November 2008 wurde das Schiff auf der Volkswerft auf schadhafte Stellen geprüft. 200 m2 Stahl wurden verwendet, um Schäden unter und über der Wasserlinie zu beheben. Der Anstrich des Rumpfes wird erneuert. Angestrebt wird ein Schwimmfähigkeitszeugnis des Germanischen Lloyd.



Weblinks:
Die Gorch Fock I in Wikipedia
Bilderseite Gorch Fock I
Segelschiffstypen in Wikipedia

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Schlagwörter: Gorch Fock I, Tovarishch, Niobe, Schwesterschiffe, Stralsund, Segelschulschiff, Großsegler, Segelschiffe



Gorch Fock (I) unter Segel 1933
(Bild bundesarchiv.de)  Großbild klick!












Brücke der Gorch Fock (I) (Bild Alma)  Großbild klick!

















Bug der Gorch Fock (I) (Bild )  Großbild klick!













Funkraum der Gorch Fock (I) (Bild Alma)  Großbild klick!



















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Heck der Gorch Fock (I) (Bild Unukorno)  Großbild klick!










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Rigg der Gorch Fock (I) (Bild Unukorno)  Großbild klick!


















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Segelstauraum der Gorch Fock (I) (Bild Alma)  Großbild klick!












Schiffsglocke der Gorch Fock (I) (Bild Sven Wolter)  Großbild klick!


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