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In der Antike betrieben alle seefahrenden Völker Piraterie. Es überwog Küstenpiraterie, bei der mit Ruderbooten und ungedeckten Galeeren Küstenorte überfallen und küstennah fahrende oder rastende Schiffe bei günstigen Gelegenheiten überfallen wurden. Erst mit der Entwicklung der Triere im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde es technisch möglich, auch andere Schiffe zu verfolgen und Piraterie auf See effektiv zu betreiben. Insgesamt folgte die Entwicklung der Piraterie den technischen Möglichkeiten des jeweiligen Zeitalters.

In einer Schwächephase der römischen Republik im letzten Jahrhundert v. Chr. wurde die Bedrohung der ägyptischen Kornlieferungen durch kilikische Piraten sogar für Rom zu einer nahezu existentiellen Bedrohung. Erst die entschiedene Kampagne unter Gnaeus Pompeius, 67 v. Chr., stellte die Sicherheit der Seewege im Mittelmeer wieder her. In der weiteren Geschichte ist nie wieder in so kurzer Zeit ein so vollständiger und dauerhafter Sieg über das organisierte Piratentum errungen worden.

Vom Ende des 8. bis zum Beginn des 11. Jahrhunderts suchten skandinavische Seeräuber (Wikinger) die Küsten Nordeuropas heim. Mit ihren typischen schnellen Wikingerschiffen drangen sie entlang der großen Flüsse bis tief ins Binnenland vor und plünderten nach verheerenden Überraschungsangriffen zahlreiche Klöster, Städte und Handelsplätze.

Bereits im Spätmittelalter begannen Landesherren und Städte im Rahmen des Fehdewesens damit, Schiffskapitäne mit Kaperbriefen auszustatten. Dadurch erhielten die Kaperfahrer theoretisch einen legalen Anspruch, von der Gegenseite als Kombattanten behandelt zu werden, allerdings nur so lange, wie der kriegerische Konflikt andauerte. Setzten sie ihre Räubereien in Friedenszeiten fort - was leicht geschah, da sie im Gegensatz zu Söldnern keinen festen Sold erhielten, sondern nur einen Anteil an der Beute (Prise) -, machte dies sie umgehend zu gewöhnlichen Piraten. So kam es im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts in Nord- und Ostsee zu einem bedeutenden Anstieg des Piratenwesens. Die Likedeeler oder Vitalienbrüder bedrohten und schädigten den Handel der Hanse zeitweilig ernsthaft. Wie einige spätere Seeräuber im sogenannten „Goldenen Zeitalter“ teilten sie ihre Beute zu gleichen Teilen. Daher die Bezeichnung als Likedeeler (Niederdeutsch für „Gleichteiler“).

Im Mittelmeer wurde die halblegale Praxis der Kaperfahrt, die dem Missbrauch und der Willkür Tür und Tor öffnete, nicht nur von christlichen Fürsten und den aufstrebenden Handelsmetropolen wie der Republik Venedig bis weit in die Neuzeit hinein betrieben, sondern auch von den Malteser-Ordensrittern und den moslemischen Herrschern Nordafrikas. Hierbei spielte neben dem Raub auch die Erbeutung von Sklaven sowie die Erpressung von Tribut- und Lösegeldzahlungen eine wichtige Rolle. Die Korsaren der moslemischen Barbareskenstaaten stellten besonders seit dem 16. Jahrhundert eine Bedrohung für den Seehandel und die Küsten des gesamten Mittelmeeres und für Teile des Atlantiks dar. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Barbaresken durch die Flotten verschiedener europäischer Nationen und der US Navy endgültig besiegt.



Karibik und "Goldenes Zeitalter der Piraten"
Nach der Eroberung und während der Kolonisierung Amerikas durch Spanien und Portugal entwickelte sich in der Zeit vom 16. bis ins 18. Jahrhundert besonders in der Karibik und in den Küstengebieten Südamerikas eine Form der Piraterie, die noch heute das Bild der Piraten in der populären Vorstellung, im Film und in der Belletristik, maßgeblich bestimmt.

Ein Charakteristikum dieser Epoche bestand darin, dass alle seefahrenden europäischen Nationen dazu neigten, sich auf See einen permanenten, hartnäckigen Krieg zu liefern, ohne Rücksicht darauf, ob sich dieselben Nationen zu Lande gerade im Krieg befanden oder nicht. So verwischte sich die ohnehin schon verschwommene Grenze zwischen mehr oder weniger legalen Kaperfahrern und illegalen Piraten vollständig, und es entwickelte sich das Phänomen des Freibeuters im eigentlichen Sinn. Das geopolitische Ziel der zunächst französischen und englischen, später auch niederländischen Regierungen bestand vorrangig darin, an den Reichtümern der Neuen Welt Teil zu haben, und nachrangig, den Handel ihrer Konkurrenten zu stören. Zusätzlich verschärft wurden diese Auseinandersetzungen durch die konfessionellen Unterschiede zwischen katholischen und protestantischen Nationen.

Ziel der Freibeuter war zunächst vor allem die spanische Silberflotte, mit der die jährliche Ausbeute der süd- und mittelamerikanischen Bergwerke nach Spanien geschafft wurde. Die Mannschaften wurden hierbei unter den einheimischen Bukanieren rekrutiert, die einen ganz eigenen Lebensstil mit eigenen Gesetzen entwickelten, und die bei ihren Raubzügen bald auch auf solche Äußerlichkeiten wie Kaperbriefe verzichteten. Diese Ära endete um 1690, als alle damaligen Großmächte das Interesse an einem gesicherten Seehandel höher zu schätzen begannen als die Schwächung anderer Staaten. In der Folge kam es zu verstärkten Maßnahmen aller Seemächte gegen Seeräuberei. Die zahlreichen, aber nun von aller Welt geächteten, Piraten suchten sich zunächst andere Zufluchtsstätten außerhalb der Karibik, wie die Häfen Nordamerikas, die Küsten Westafrikas oder Madagaskar. Aber auch hier wurden sie nach und nach, bis etwa 1730, vertrieben.



Die Entführung der französischen Luxusyacht PONANT, ein gekaperter spanischer Fischkutter und der von der Fregatte EMDEN vereitelte Angriff auf einen japanischen Supertanker: Diese drei Vorfälle am Horn von Afrika haben die Gefahr durch Piraterie wieder in den Fokus gerückt.

Und die Piraten von heute haben nichts mehr mit der romantischen Vorstellung von Freibeutern mit Augenklappe und Holzbein gemein, im Gegenteil: Schwerbewaffnete Angreifer, die ein Schiff kapern und die Besatzung als Geiseln nehmen, um Lösegeld zu erpressen.

Doch das Problem ist seit Beginn der 90er Jahre immer drängender geworden. Zwar ging die Zahl der weltweit registrierten Fälle zwischen 2003 und 2006 stetig zurück, 2007 jedoch wurden wieder mehr Überfälle registriert. Das International Maritime Bureau (IMB) meldete in seinem Jahresbericht 263 Übergriffe weltweit, „wobei zu beachten ist, dass bei allen offiziellen Zahlen eine Dunkelziffer von annähernd 50 Prozent hinzugerechnet werden muss“, wie Dieter Berg, Projektleiter Piraterie bei der Münchener Rück, betont. Viele Schiffseigner melden Überfälle nicht, wenn die Piraten nur Geld oder Teile der Ladung rauben; steigende Versicherungsprämien sind auf Dauer teurer als der Verlust durch einen Überfall.

Der wirtschaftliche Schaden, den Piraten 2007 anrichteten, wird vom IMB auf rund 13 Milliarden Euro geschätzt. Und ein gefährlicher neuer Trend könnte dafür sorgen, dass sich dieser Betrag noch deutlich erhöht: Die Besatzung, oder bei exklusiven Kreuzfahrten gleich sämtliche Passagiere, werden immer öfter als Geiseln genommen. Das damit erpresste Lösegeld übersteigt den Inhalt des Bordtresors um ein Vielfaches. Im Jahr 2007 waren bereits 292 Seeleute zeitweise in der Gewalt von Piraten. Eine Tochter des britischen Versicherungskonzerns Lloyd´s bietet bereits eine eigene Police für Lösegelderpressungen an – Verhandlungen mit den Entführern inclusive.
Illustration von Georges Roux (1850–1929) für die
1885er-Ausgabe von Die Schatzinsel von
Robert Louis Stevenson
(Bild: Wittkowsky)  Großbild klick!






























Woodes Rogers, ehemaliger Pirat, Governeur der Bahamas
(Bild: Kekator)   Großbild klick!

















Henry Morgan (Bild: Longbow4u)



















Klaus Störtebeker (Bild: Daniel Hopfer)




Weblinks:
Piraterie in Wikipedia
Geschichte der Piraterie

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Schlagwörter: Piraterie, Piraten, Geschichte, Jolly Roger, Henry Morgan, Klaus Störtebeker

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